"Wittgenstein-Preis" - Die bedeutendste Auszeichnung für österreichische Wissenschafter

3. Juli 2000, 14:11

Der Anthropologe Andre Gingrich und der Mathematiker Peter Markowich erhalten jeweils 20 Millionen Schilling

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Die frischgebackenen
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"Überwältigt" und
"irrsinnige Anerkennung"

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"Zur außergewöhnlichen
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"Wittgenstein-Preis 2000"

Ludwig Wittgenstein
Gesellschaft

Wien - Der "Wittgenstein-Preis 2000" geht an den Anthropologen und Ethnologen Andre Gingrich (47) und den Mathematiker Peter Markowich (43). Die beiden Forscher der Universität Wien wurden am Montag von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) mit dem bedeutendsten und am höchsten dotierten Preis für österreichische Wissenschafter ausgezeichnet. Sie erhalten jeweils 20 Millionen Schilling für ihre weitere Forschungsarbeit.

Zur Person: Andre Gingrich

Gingrich konnte die Auszeichnung nicht persönlich übernehmen, da er derzeit mit Studenten auf einer Auslandsexkursion in der Mongolei unterwegs ist. Der Forscher, geboren am 12. September 1952 in Wien, arbeitet am Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie der Uni Wien auf dem Gebiet der vergleichenden Anthropologie. In der Vergangenheit konzentrierten sich seine Feldstudien vor allem auf asiatische Kulturen in verschiedenen Ländern wie Armenien, Tibet und die Mongolei.

Er behandelt dabei brisante Probleme wie die Entwicklung von Nationalismen während und nach dem Zusammenbruch von multi-ethnischen Ländern oder Geschlechterfragen in säkularisierten und nicht-säkularisierten lokalen Kulturen im Zeitalter der Globalisation. Mit den Mitteln des Wittgenstein-Preises will Gingrich einerseits diese Forschungsschwerpunkte weiter ausbauen. Außerdem plant er in Zukunft verstärkt vergleichende Studien der asiatischen Kulturen mit Europa.

Zur Person: Peter Markowich

Markowich arbeitet am Institut für Mathematik der Uni Wien und forscht auf dem Gebiet der Nichtlinearen Analysis und der Partiellen Differentialgleichungen. Diese Berechnungen finden etwa Anwendung zur Beschreibung physikalischer Vorgänge, von der Newton'schen Mechanik bis hin zur Elektrodynamik. Auch auf dem Gebiet der Simulation von Vorgängen in Halbleitern war und ist Markowich tätig. Der Wissenschafter möchte die Mittel des Wittgensteinpreises einsetzen, um Wien "zu einer internationalen Drehscheibe für angewandte Mathematik" zu machen.

Der Wittgenstein-Preis wurde heuer zum fünften Mal vergeben. Die Entscheidung trifft eine Jury, der 13 international renommierte Mitglieder angehören. Die Abwicklung der Auszeichnung wird vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) durchgeführt.

Nachwuchswissenschafter erhalten START-Preise

Neben dem Wittgenstein-Preis wurden am Montag auch die diesjährigen START-Preise vergeben. Diese Auszeichnung sind speziell für Nachwuchswissenschafter gedacht, die kurz vor oder nach der Habilitation stehen. Fünf Forscher erhielten heuer START-Preise, sie bekommen jeweils jährlich zwei bis 2,5 Millionen Schilling für sechsjährige Projekte. Erstmals erhält heuer eine Frau einen START-Preis. (APA)

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