Iran droht mit Austritt aus der IAEO

29. Oktober 2006, 13:48
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ElBaradei warnt vor Sanktionen

London/New York/Berlin - Der Iran erwägt nach Worten seines Außenamtssprecher Mohammad Ali Hosseini einen Austritt aus der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA (IAEO), sollten Sanktionen gegen Teheran beschlossen werden. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA (IAEO), Mohammed ElBaradei, warnte vor Strafmaßnahmen gegen den Iran und Nordkorea. Der Iran wird nach Einschätzung des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) frühestens 2015 über eine Atombombe verfügen.

Gegenüber der in London erscheinenden arabischen Zeitung "Al-Sharq al-Awsat" erklärte der iranische Außenamtssprecher Hosseini nach Angaben des israelischen Internetdienstes "Ynet", sein Land habe bereits fertige Pläne, wie es mit möglichen Wirtschaftssanktionen umgehen werde, die wegen seines umstrittenen Atomprogramms drohen.

Am Montag hatte der iranische Chefverhandler Ali Larijani laut amtlicher iranischer Nachrichtenagentur IRNA den Westen davor gewarnt, sich von Radikalen leiten zu lassen, es würde ihm nicht viel nutzen. Die Islamische Republik sei jedenfalls fest entschlossen, sich durch nichts von ihren nuklearen Aktivitäten abhalten zu lassen. Der Iran sei nicht so dumm, eine vom Westen angestrebte Politik der gleichzeitigen Verhandlungen und Sanktionsdrohungen nicht zu durchschauen.

IAEO-Chef ElBaradei warnte am Montag in einer Rede an der Georgetown-Universität in Washington, Sanktionen gegen Iran und Nordkorea könnten die Vertreter einer harten Linie in beiden Ländern stärken. Er sei noch nicht überzeugt, dass der Iran Atomwaffen entwickle, und er glaube, dass eine Vereinbarung mit Nordkorea über dessen Atomprogramm möglich sei. ElBaradei war in der US-Hauptstadt auch mit US-Außenministerin Condoleezza Rice zusammengetroffen.

"Wenn man einmal mit dem Verhängen von Strafen anfängt, bringt es die Vertreter einer harten Linie ans Ruder", sagte ElBaradei. Er äußerte zudem generelle Zweifel, dass Sanktionen funktionieren. Wenn dieses Instrument aber in die Hand genommen werde, dann "muss dies maßvoll getan werden, um eine Verhaltensänderung zu bewirken".

Zum Iran sagte ElBaradei, es sei noch kein klares Urteil gefällt, ob der Iran Atomwaffen entwickle. Außerdem habe der Fall Libyen gezeigt, dass ein Land solche Ambitionen auch aufgeben könne. Es gebe beim Iran noch Zeit und Möglichkeiten für Verhandlungen. (APA/Reuters/AP)

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