Sparer entdecken den Kapitalmarkt

15. November 2006, 16:47
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Einlagen bleiben aber beliebteste Sparform - 85 Prozent der Österreicher haben ein Sparbuch

Wien - Das Vertrauen österreichischer Privatanleger in die Kapitalmärkte stehe auf einer immer breiteren Basis, erklärte Peter Zöllner, Direktor der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) anlässlich der Präsentation des Spar- und Kreditverhaltens der Österreicher. Selbst die massiven Korrekturen der Aktienmärkte im Mai hätten die Zuversicht der Anleger nicht nachhaltig getrübt. Die günstigen Einstiegsbedingungen an der Wiener Börse hätten viele Anleger zum Aktienkauf veranlasst. In Summe wurden im zweiten Quartal Anteilsscheine in der Höhe von 1,3 Mrd. Euro und festverzinsliche Wertpapiere im Wert von einer Mrd. Euro gekauft.

132 Milliarden auf 23 Millionen Sparbüchern

Trotz der Offenheit für den Kapitalmarkt sparen die meisten Österreicher aber lieber traditionell, also mit dem Sparbuch. Rund 132 Mrd. Euro liegen in Österreich auf 23 Mio. Sparbüchern. Die Sparquote wird laut Berechnungen der OeNB heuer erneut zunehmen und über dem Vorjahreswert von 9,1 Prozent liegen.

Durch den Anstieg der Sparquote in den vergangenen Jahren ist auch das Vermögen heimischer Haushalte gestiegen. Per 30. 6. 2006 verfügten österreichische Haushalte (einschließlich Privatstiftungen) über 367 Mrd. Euro. Zieht man die Verschuldung an Krediten in Höhe von 135 Mrd. Euro ab, bleibt ein Nettogeldvermögen von 232 Mrd. Euro. Bargeld und Spareinlagen stellen die Hälfte des Geldvermögens dar. Auf Platz zwei liegen mit 21 Prozent Ansprüche aus Versicherungs- und Pensionskassen und auf Platz drei (11 Prozent) Investmentzertifikate. Im Durchschnitt besitze damit jeder Österreicher knapp 45.000 Euro.

Franken wird teurer

Günstig entwickelt hat sich für Sparer die Zinssituation im vergangenen Halbjahr, da die Banken die Leitzinserhöhungen der EZB rasch weitergegeben haben. Die heurigen Sparleistungen blieben mit 2,9 Mrd. Euro aber doch hinter jenen des ersten Halbjahres 2005 mit 3,9 Mrd. Euro zurück. Für Kreditnehmer wirkten sich die Zinsschritte naturgemäß nachteilig aus.

Zunehmend an Bedeutung gewinnt die Zinsentwicklung im Schweizer Franken, auf den sich fast das gesamte Geschäft mit Fremdwährungskrediten konzentriert. Denn die Zinsanhebungen der Schweizer Bank haben den Vorteil zum Euro reduziert. (bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26.10.2006)

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    foto: standard/regine hendrich
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