Allerheiligen: Wiens Friedhofswirte am absteigenden Ast

31. Oktober 2006, 09:10
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Gastronomen beklagen Rückgänge - Optimismus nur im Schloss Concordia

Die Gastronomie rund um Wiens Friedhöfe ist schon lange kein Boombranche mehr - und das selbst zu Allerheiligen und Allerseelen. "Es war einmal ein Riesenzweig, aber der Umgang mit dem Tod hat sich geändert", meinte Josef Bitzinger, Obmann der Sparte Touristik- und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer, auf APA-Anfrage. Nur im Schloss Concordia beim Zentralfriedhof sieht man das anders.

Bei vielen Wiener Friedhöfen gibt es schon lange keine eigenen Gasthäuser mehr, konstatierte Bitzinger. Weder Leichenschmäuse nach Begräbnissen noch die Grab-Besucher zu Allerheiligen würden heute noch gefüllte Speisesäle garantieren. Saisonal viel wichtiger geworden seien Halloween-Feste. Der aus den USA importierte Grusel-Brauch in der Nacht auf den 1. November sorge inzwischen nicht nur im Bermuda-Dreieck für ein gutes Geschäft.

"Von Jahr zu Jahr läuft das Geschäft schlechter"

"Ich mache das jetzt seit 1997, und von Jahr zu Jahr läuft das Geschäft schlechter", klagte auch der Wirt des "Vindobona" in seinem von Schnitzelduft umwehten Lokal gegenüber des Zweiten Tors des Zentralfriedhofs. Allerheiligen sei da schon wichtig: Auch dabei gebe es Rückgänge, aber das Geschäft laufe immerhin besser als im Rest des Jahres.

Gründe dafür sieht der Vindobona-Chef, der seinen Namen lieber für sich behalten will, viele: "Die jungen Leute gehen nicht auf den Friedhof, sondern in die Discothek." Die Pensionisten wiederum hätten weniger Geld zur Verfügung als früher, was man beim Leichenschmaus merke: "Früher haben die Leute dabei viel gegessen. Heute essen sie eine kleine Speise, dann gehen sie."

Selbst auf die Begräbnistage am Friedhof sei kein Verlass mehr. "Vor fünf Jahren hast du gewusst, der Montag, der Mittwoch und der Freitag sind gute Tage. Heute gibt es keine Regel mehr", meint man im "Vindobona".

Optimismus nur im Schloss Concordia

Optimistischer gibt man sich im benachbarten Schloss Concordia beim Ersten Tor von Wiens größtem Friedhof. Dort, wo eine überdimensionale Jesus-Statue vor dem Holzpavillon die Gäste begrüßt, wurde zuletzt der Garten verschönert und das Speisenangebot vergrößert. Zu Allerheiligen erwartet man großen Gästeandrang.

Das ehemalige Turmkontor des Hofsteinmetzunternehmens "Sommer & Weniger" versteht sich als "Gesamtkunstwerk an der Peripherie" und ist nicht nur für seine Schnitzel-Rouladen, sondern auch für die eine oder andere Kulturveranstaltung bekannt. Auch Leichenschmäuse fänden im Schloss "laufend" statt, hieß es im Schloss auf APA-Anfrage. Veränderungen im gastronomischen Umfeld des Friedhofs will man nicht bemerkt haben. (APA)

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