Integration statt Sonderschule

4. April 2007, 16:00
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Die "Arge Menschen­rechte" fordert den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Jugendlichen auch in weiterführenden Schulen

Wien - Das Recht auf Integration behinderter Kinder und Jugendlicher in allen Schulstufen fordert die "Arbeitsgemeinschaft Menschenrechte für Staatsbürger mit geistiger Behinderung", die von der Lebenshilfe Wien und Steiermark getragen wird. Die nächste Bundesregierung müsse den mehrjährigen Stillstand bei der Fortführung der Integration in die Oberstufe beenden, appellierten Vertreter der Arge am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien an alle politischen Parteien.

Recht auf Integration

Seit 1993 haben Kinder mit Behinderungen das Recht, anstelle einer Sonderschule den gemeinsamen Unterricht mit nicht behinderten Kindern an einer Volksschule zu besuchen. 1997 wurde dieses Recht auf Integration auch auf die fünfte bis achte Schulstufe, also Hauptschule bzw. AHS-Unterstufe ausgeweitet.

"Doch der Integrationszug, mit dem Österreich unter den europäischen Schulsystemen eine führende Rolle eingenommen hat, ist ins Stocken geraten", so Walter Eigner von der Lebenshilfe Wien. Denn die Weiterführung der Integration in die weiterführenden Schulen wurde nicht umgesetzt. "Nach acht Jahren gemeinsamen Unterrichts heißt es plötzlich für behinderte Jugendliche: Ich muss draußen bleiben", kritisierte Eigner.

Freie Wahl

Die Forderung der Arbeitsgemeinschaft Menschenrechte formuliert Ursula Vennemann, Präsidentin der Lebenshilfe Steiermark: "Schülerinnen und Schüler mit Behinderung, vertreten durch ihre Eltern, können sich ohne Ausnahme frei für den Schulbesuch jeder Art von schulischen Angebot in der achten bis 13. Schulstufe entscheiden", gleich ob Polytechnikum, berufsbildende mittlere oder höhere Schule, AHS oder Sonderschule. Dieses Recht sollte analog zu den bereits bestehenden Regelungen im Schulorganisationsgesetz verankert werden.

In knapp zehn Jahren ist nach Angaben der Arge der Anteil der behinderten Kinder im Volksschulalter, die gemeinsam unterrichtet werden, von rund 30 auf fast 60 Prozent gestiegen. Über alle Schularten der ersten acht Schulstufen gerechnet besuchten im Schuljahr 2002/03 (jüngste bundesweit verfügbare Zahlen) bereits mehr als die Hälfte (52,5 Prozent) aller Kinder mit "sonderpädagogischem Förderbedarf" eine allgemeine Schule, alle anderen Sonderschulen. (APA)

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Die Lebenshilfe bietet auf ihren Seiten Informationen rund um den Schulbesuch behinderter Kinder.
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    foto: standard/urban
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