Merkel schweigt zu Schröders Kritik

31. Oktober 2006, 10:58
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Vorwurf mangelnder Durchsetzungsfähigkeit von anderen Unions-Politikern zurückgewiesen

Berlin - Deutschlands CDU-Kanzlerin Angela Merkel will nicht auf die Kritik ihres SPD-Vorgängers Gerhard Schröder eingehen. Andere Unions-Politiker wiesen den Vorwurf einer mangelnden Durchsetzungsfähigkeit jedoch empört zurück.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte am Montag in Berlin: "Für die Bundeskanzlerin sehe ich jetzt nicht die Rolle, über die Bewertung ihres Vorgängers ein Urteil abzugeben." Schröder hatte in Interviews im Zusammenhang mit der bevorstehenden Publikation seiner Erinnerungen Merkels Durchsetzungskraft beanstandet. So kritisierte er, es fehle "einfach Führung". "Gelegentlich scheint mir ein Basta zu fehlen."

Der Rückblick des Ex-Kanzlers auf seine siebenjährige Amtszeit erscheint an diesem Donnerstag. Die Veröffentlichung des Buches wird von einer PR-Kampagne begleitet, zu der auch zahlreiche Interview-Auftritte Schröders gehören. Ferner ist eine Lesereise durch Deutschland geplant.

Auszüge aus dem Buch erschienen am Montag erstmals im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und in der "Bild"-Zeitung. Darin erinnert sich Schröder vor allem an die Erarbeitung der Reform-"Agenda 2010" im Jahr 2003 und schildert die Widerstände dagegen in seiner Partei und vor allem bei den Gewerkschaften. Zudem berichtet er über seine Gefühle im vorgezogenen Wahlkampf 2005, den Rot-Grün verlor.

Unions-Politiker nannten die Attacken Schröders unwürdig für einen ehemaligen Kanzler. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger sagte zudem: "Basta hat man, glaube ich, lange genug gehört." Der nordrhein-westfälische Regierungschef Jürgen Rüttgers zog einen Vergleich mit dem Formel-1-Star Michael Schumacher. Der habe gezeigt, wie man eine Karriere beendet.

Für CSU-Generalsekretär Markus Söder ist das "der typische Schröder, wie wir ihn kennen. Arrogant und überheblich." Für Schröder seien immer alle anderen schuld gewesen. "Wie gesagt, bei Geisterfahrern ist das häufig auch so, dass die anderen schuld sind", sagte Söder in einem Fernseh-Interview. (APA/dpa)

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