Schwulenerpressung mit Positivfolgen

23. Oktober 2006, 18:57
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Plattform eint Homosexuelle und Polizei

Wien - Übergriffe gegen Lesben und Schwule werden in den heimischen Kriminalitätsstatistiken nicht eigens ausgewiesen, ebenso wenig wie rassistische Gewalt - doch das ist für den Wiener Rechtsanwalt Helmut Graupner kein wirklich brennendes Problem. "Zwar wäre eine solche Auflistung nicht schlecht - aber ich glaube nicht, dass man dabei auf sehr viele Fälle käme."

Außerdem - so der Anwalt - zögen Szene und Polizei bei Straftaten mit homosexuellen Opfern trotz aussagearmer Statistiken am gleichen Strang. "Mit Erik Buxbaum, dem Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, hat das Rechtskomitee Lambda eine informelle Plattform ins Leben gerufen. Diese kommt in kniffligen Situationen zum Einsatz, etwa bei Erpressungsfällen".

Eine solche kriminelle Schweigegeldzahlung, die gleich mehrere Männer betraf, hatte 2002 den Impuls für die Plattformgründung gegeben: Ein 16-Jähriger hatte sich mit der Behauptung, bereits 18 und somit dem Kindesalter entwachsen zu sein, an Schwule herangemacht.

Nach erfolgreicher Beziehungsanbahnung hatte sich der 16-Jährige dann als "Kind" geoutet und seinen Bettpartnern mit Anzeige und Skandal gedroht - es sei denn, sie zahlten: Eine Form der Erpressung, für die Schwule in Österreich laut Buxbaum-Sprecher Rudolf Gollia "recht anfällig" seien: "Durch das Totalverbot und den Schutzalterparagrafen 209 waren sie länger als in anderen Ländern kriminalisiert und in die Defensive gedrängt."

Direkte Ansprechstelle

"Vorbildlich", so Anwalt Graupner, sei die Zusammenarbeit mit der Szene-Polizei bei der Überführung des Täters gewesen, der inzwischen zu zwei Jahren Haft verurteilt worden ist. In der Folge kam die Plattform bei Fällen von Diebstahl unter schwulen oder lesbischen Bekannten, aber auch bei Gewalt in homosexuellen Beziehungen zum Einsatz: "Immer dann, wenn man sich nicht so einfach aufs nächste Kommissariat traut."

Eigene Homosexuellenbeauftragte bei der Polizei wie in Berlin hält Graupner in Österreich nicht für unbedingt nötig. Immerhin sei auch polizeiintern Einiges in Bewegung geraten: In Gestalt der Gruppe Gaycops, die beim Festakt anlässlich von 15 Jahren Rechtskomitee Lambda im Parlament sogar in Uniform auftraten. (Irene Brickner, DER STANDARD, Print, 24.10.2006)

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