Produktion von Grippeimpfmitteln soll drastisch gesteigert werden

30. Oktober 2006, 13:06
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WHO stellt Aktionsplan in Genf vor - Stellvertretender Generaldirektor Heymann: "Die Welt ist völlig unvorbereitet für eine Pandemie"

Genf - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will die Produktion von Impfdosierungen gegen die Grippe in den kommenden Jahren drastisch steigern. Ein entsprechender Aktionsplan wurde am Montag in Genf vorgestellt. Rund 100 Experten von Gesundheitsorganisationen, der Pharmaindustrie sowie von Behörden hätten daran mitgewirkt, sagte die zuständige WHO-Direktorin, Marie-Paule Kieny. Derzeit werden etwa jedes Jahr 350 Millionen Dosen Impfstoff gegen die Grippe hergestellt.

Kieny rechnete vor, dass etwa bei einer Pandemie durch den gefährlichen Vogelgrippe-Erreger H5N1 bei einer Produktionszeit von 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche der Ausstoß auf 500 Millionen erhöht werden könne. Dann sei die Industrie aber an den Grenzen ihrer Kapazität, und für eine Weltbevölkerung von über sechs Milliarden sei dies bei einer Pandemie ohnehin zu wenig. Ziel sei es nun, die Unternehmen so auszurüsten, dass die Produktion bis 2009 auf etwa 800 Millionen gesteigert werden könne. Der Aktionsplan sieht Investitionen in Höhe von drei bis zehn Milliarden Dollar (etwa 2,4 bis 8 Milliarden Euro) vor.

An Grippe sterben jährlich etwa 500.000 Menschen. H5N1 wird derzeit noch nicht von Mensch zu Mensch übertragen, die WHO schließt das aber für die Zukunft nicht aus. Seit 2003 sind nach Zahlen der WHO 148 Menschen an der Vogelgrippe gestorben, gegen die es keinen direkten Impfstoff gibt. Kieny schätzt, dass es noch ein Jahr dauern wird, bis ein Impfstoff gegen H5N1 vorliegt.

"Die Welt ist völlig unvorbereitet"

"Die Welt ist völlig unvorbereitet (für eine Pandemie)", sagte der für übertragbare Krankheiten zuständige stellvertretende WHO-Generaldirektor David Heymann. "Deshalb muss der Prozess (weiterer Produktion) beginnen, und wir müssen ihn sofort beginnen."

Da die Hauptproduzenten von solchen Impfstoffen fast ausschließlich in Australien, Europa, Nordamerika und in einigen Ländern Asiens und Lateinamerikas sitzen, hätten andere Staaten in einer Krise kaum Zugriff auf Impfstoffe, glaubt die Gesundheitsorganisation. Nach dem neuen Plan sollen die immer wiederkehrenden Schutzimpfungen zu bestimmten Jahreszeiten bis 2010 auf etwa drei Viertel der Bevölkerung eines Landes gesteigert werden. Forschung und Entwicklung von Impfstoffen sollen intensiviert werden. (APA/dpa)

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