Comdirect plant Sonderdividende

31. Oktober 2006, 10:17
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Sondererlös im Vorjahr lässt Quartalsgewinn sinken

Deutschlands größter Online-Broker Comdirect will seine Aktionäre über eine Sonderausschüttung an der hohen Kapitalausstattung teilhaben lassen. Trotz eines Gewinnrückgangs im dritten Quartal sieht sich die Tochter der Frankfurter Commerzbank auf gutem Weg, 2006 das angepeilte Ziel von über 70 Mio. Euro Vorsteuergewinn zu erreichen.

"Wir sind sehr gut unterwegs", sagte Comdirect-Chef Andre Carls am Montag. Das laufende Quartal habe "durchaus ordentlich" begonnen. Nun sei es an der Zeit, die Wachstumsziele nach oben zu schrauben.

Bis zum Ende des Jahrzehnts will die Bank das Vorsteuerergebnis auf mehr als 100 Mio. Euro steigern, was einer Rendite von 25 Prozent auf das Eigenkapital entspreche. Aktuell sind es 14,3 Prozent. Die Kundenzahl soll bis 2009 um rund 550.000 auf 1,3 Millionen zulegen. Dafür will Carls 150 Mio. Euro ausgeben.

Auch die Aktionäre sollen nicht leer ausgehen: Der Online-Broker aus Quickborn bei Hamburg kündigte einen Euro Sonderausschüttung je Anteilsschein an. Hinzu kommt die normale Dividende, für die Comdirect erneut den kompletten Jahresüberschuss verwenden will.

Die Comdirect-Papiere legten bis zu vier Prozent auf 9,34 Euro zu, gaben dann aber einen Teil ihrer Gewinne ab. Dennoch zählten sie zu den größten Gewinnern im Kleinwerte-Segment SDax.

In den letzten 20 Monaten hat Comdirect fast 140.000 Kunden gewonnen. Für weiteres Wachstum soll unter anderem ein Tagesgeld-Konto sorgen, das ab November angeboten wird. Hier rechnet der Online Broker mit 650.000 Abschlüssen bis 2009. Die Zahl der Girokonten soll sich auf rund 450.000 erhöhen.

Analysten begrüßten die Pläne, zeigten sich aber von der Höhe der Sonderdividende enttäuscht. "Wir sehen in der Ankündigung keinen großen Hebel, weil die Gesellschaft weiter auf einem überschüssigen Kapital von zwei Euro je Aktie sitzen wird", hieß es in einer Studie der WestLB. Dirk Becker von Kepler Equities nannte das Ergebnisziel konservativ. Er gehe für 2010 eher von einem Vorsteuergewinn von 125 Mio. Euro aus.

Durch die Sonderausschüttung verringert sich Carls zufolge das Eigenkapital um rund 141 Mio. Euro auf etwa 450 Mio. Euro. Dennoch sei genügend Spielraum vorhanden, um Zukäufe zu stemmen, sagte er. "Wir wollen insbesondere organisch wachsen, aber es wäre noch Luft für Zukäufe." Derzeit schaue man sich keine Übernahmekandidaten an.

Das Mindestziel von 70 Mio. Euro Jahresgewinn vor Steuern hat Comdirect mit 64,2 (Vorjahr 44,9) Mio. Euro schon fast erreicht. Im traditionell eher schwachen dritten Quartal musste der Online-Broker einen Ergebnisrückgang um rund 15 Prozent auf 17,4 Mio. Euro hinnehmen. Allerdings hatte Comdirect ein Jahr zuvor der Verkauf der britischen Tochter die Vergleichszahl nach oben verzerrt.(APA/Reuters)

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