Möbel Ludwig plant Diskontkette

  • Eigentlich wollte er ja Bauer
werden,
sagt Möbel-
Ludwig-
Gründer Josef
Frischeis. Doch das
Möbelgeschäft lässt ihn nicht los.
    foto: standard/regine hendrich

    Eigentlich wollte er ja Bauer werden, sagt Möbel- Ludwig- Gründer Josef Frischeis. Doch das Möbelgeschäft lässt ihn nicht los.

Der Einrichtungshändler will in Rumänien bis zu 30 Diskontmärkte auf die Beine stellen und macht sich in Österreich für die Sonntagsöffnung stark

Wien – Möbel Ludwig will mit einer neuen Einrichtungskette in Osteuropa expandieren und damit das Geschäft in Wien absichern. Der Möbelhändler hat sich ein Grundstück in Rumänien gekauft. Der Baustart ist für 2007 geplant, bis zu 30 weitere Märkte sollen folgen. Die Strategie: Diskontpreise, eingeschränktes Sortiment, kleine und einfach multiplizierbare Flächen. Parallel dazu bemüht sich der Familienbetrieb in Bulgarien Fuß zu fassen.

Möbel Ludwig eröffnete im Vorjahr unter der Marke Como den ersten Standort in Sofia. Jetzt hat sich der Filialist zwei weitere Grundstücke in Bulgarien gesichert und will 2007 mit dem Bau eines Shops beginnen, sagte Firmengründer Josef Frischeis dem Standard. Beide Märkte sind Neuland für die internationale Möbelbranche, und beide gelten als hochriskant. Sorge, sich auf zu unsicheres Parkett zu wagen, hat Frischeis nicht. Der Bedarf an Einrichtung im Osten steige, "die Mittelschicht wächs". Er rechnet mit Investitionen von maximal drei Millionen Euro je Standort und raschem Break Even: "Machen wir dort nicht sofort Gewinn, ist es ein Flop."

Möbel Ludwig ist einer der letzten mittelständischen Einrichtungshändler Österreichs und hält mit vier Häusern in Wien die Stellung. Der KSV schätzt den Umsatz des öffentlichkeitsscheuen Betriebs auf rund 60 Mio. Euro. Die zuletzt veröffentlichte Bilanz wies 1,4 Mio. Euro Jahresüberschuss und einen Bilanzgewinn von rund sechs Mio. Euro aus. Sein Überlebensrezept sei die Spezialisierung auf Möbel für den Gemeindebau, sagte Frischeis. Sein Grundsortiment kaufe er über den deutschen Einkaufsriesen Union ein, den Rest importiere er direkt aus Osteuropa und Fernost. "Das ist mein großes Hobby." Nachsatz: "Jedes Häferl geht über meinen Tisch." Die operative Führung und die meisten Firmenanteile hat er jedoch bereits vor Jahren an seinen Sohn übergeben. Da er einen harten Erbschaftskonflikt hinter sich habe, wollte er seine Nachfolge rechtzeitig regeln, sagte Frischeis.

Weniger konfliktscheu zeigt er sich beim Thema Sonntagsöffnung. Einkaufen am Sonntag verursache zwar Mehrkosten und Personalprobleme – langfristig führe daran aber auch in Österreich kein Weg vorbei. Er mache damit in Bulgarien sehr gute Erfahrungen. Frischeis: "Die Geschäfte sind zum Aufsperren da."

Frischeis hat Möbel Ludwig seit der Übernahme vor 30 Jahren von 4000 auf 80.000 Quadratmeter ausgebaut. Das, obwohl er eigentlich Bauer werden wollte, sagte er. Immerhin sein Arbeitsplatz kommt dem Wunsch nahe: Eine renovierte Scheune bietet durch eine riesige Glaswand freien Blick in den Pferdestall. Und sitzt er nicht vor dem Computer, fährt er mit einem Sechsergespann durch Niederösterreich. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.10.2006)

Share if you care
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.