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Eigentlich wollte er ja Bauer werden, sagt Möbel- Ludwig- Gründer Josef Frischeis. Doch das Möbelgeschäft lässt ihn nicht los.
Möbel Ludwig eröffnete im Vorjahr unter der Marke Como den ersten Standort in Sofia. Jetzt hat sich der Filialist zwei weitere Grundstücke in Bulgarien gesichert und will 2007 mit dem Bau eines Shops beginnen, sagte Firmengründer Josef Frischeis dem Standard. Beide Märkte sind Neuland für die internationale Möbelbranche, und beide gelten als hochriskant. Sorge, sich auf zu unsicheres Parkett zu wagen, hat Frischeis nicht. Der Bedarf an Einrichtung im Osten steige, "die Mittelschicht wächs". Er rechnet mit Investitionen von maximal drei Millionen Euro je Standort und raschem Break Even: "Machen wir dort nicht sofort Gewinn, ist es ein Flop."
Möbel Ludwig ist einer der letzten mittelständischen Einrichtungshändler Österreichs und hält mit vier Häusern in Wien die Stellung. Der KSV schätzt den Umsatz des öffentlichkeitsscheuen Betriebs auf rund 60 Mio. Euro. Die zuletzt veröffentlichte Bilanz wies 1,4 Mio. Euro Jahresüberschuss und einen Bilanzgewinn von rund sechs Mio. Euro aus. Sein Überlebensrezept sei die Spezialisierung auf Möbel für den Gemeindebau, sagte Frischeis. Sein Grundsortiment kaufe er über den deutschen Einkaufsriesen Union ein, den Rest importiere er direkt aus Osteuropa und Fernost. "Das ist mein großes Hobby." Nachsatz: "Jedes Häferl geht über meinen Tisch." Die operative Führung und die meisten Firmenanteile hat er jedoch bereits vor Jahren an seinen Sohn übergeben. Da er einen harten Erbschaftskonflikt hinter sich habe, wollte er seine Nachfolge rechtzeitig regeln, sagte Frischeis.
Weniger konfliktscheu zeigt er sich beim Thema Sonntagsöffnung. Einkaufen am Sonntag verursache zwar Mehrkosten und Personalprobleme – langfristig führe daran aber auch in Österreich kein Weg vorbei. Er mache damit in Bulgarien sehr gute Erfahrungen. Frischeis: "Die Geschäfte sind zum Aufsperren da."
Frischeis hat Möbel Ludwig seit der Übernahme vor 30 Jahren von 4000 auf 80.000 Quadratmeter ausgebaut. Das, obwohl er eigentlich Bauer werden wollte, sagte er. Immerhin sein Arbeitsplatz kommt dem Wunsch nahe: Eine renovierte Scheune bietet durch eine riesige Glaswand freien Blick in den Pferdestall. Und sitzt er nicht vor dem Computer, fährt er mit einem Sechsergespann durch Niederösterreich. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.10.2006)
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