Es darf ein bisschen Öko sein

31. Jänner 2007, 14:19
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Neue technologische und gestalterische Möglichkeiten haben das Thema der Nachhaltigkeit aus der alternativen Nische hervorgeholt

Immer mehr Gebäude beweisen es: Ökologie hat sich neuerdings in fesche Schale geworfen. Neue technologische und damit auch neue gestalterische Möglichkeiten haben das Thema der Nachhaltigkeit aus der alternativen Nische hervorgeholt und salonfähig gemacht.

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Der Energiestreit zwischen Russland und der Ukraine Anfang dieses Jahres verunsicherte nicht nur die beiden Streitparteien. Was ist, wenn auch Österreich der Gashahn zugedreht wird? Um über alternative Energiesysteme laut nachzudenken, sind die politischen Rahmenbedingungen derzeit besonders günstig. Denn die Energiepreise sind gestiegen, und die weltpolitischen Unsicherheiten nehmen kontinuierlich zu.

Das spürt auch der einzelne Konsument. "Wir können von Öl und Gas wegkommen", sagt Architekt Roland Gnaiger und verweist auf ein großes technologisches Repertoire, auf das beim Bau eines Hauses inzwischen leicht zurückgegriffen werden kann. Die neuen Technologien ermöglichen nicht nur Nachhaltigkeit beim Bauen, sondern auch eine zunehmende gestalterische Freiheit für den Architekten.

Der unlängst zum ersten Mal vergebene Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit, den Gnaiger als Staatspreisbeauftragter mitbetreut hat, erbringt den unwiderruflichen Beweis, dass nachhaltige Bauwerke auch schön sein können. "Die Gestaltung hat eine höhere gesellschaftliche Akzeptanz als Ökologie", so Gnaiger: "Wenn man in der Ökologie erfolgreich sein will, muss man beides verbinden." Das ist die Verantwortung eines politisch denkenden Menschen.

Akzeptanz steigt

Von einer vermehrten Akzeptanz für das Thema der Nachhaltigkeit spricht auch die Architektin Edeltraud Haselsteiner, die für die Arch+Ing Akademie der Wiener Architektenkammer die Seminarreihe "Nachhaltiges Bauen und Sanieren" leitet. Interessiert seien sowohl die Bauherren als auch die Architekten, die durch die neuen technischen Entwicklungen mehr Freiheiten und Möglichkeiten haben.

Ein häufiger Hinderungsgrund, sich für eine nachhaltige Architektur zu entscheiden, sind nach wie vor die höheren Herstellungskosten. "Man darf sich nicht nur anschauen, wie viel das Gebäude bei der Errichtung kostet, sondern muss es im gesamten Lebenszyklus betrachten, zum Beispiel die Einsparungen bei den Betriebskosten", hält Haselsteiner dem entgegen.

Architektin Ingrid Domenig-Meisinger hat mit den Architekten Arch+More den Wohnbau an der stark befahrenen Makartstraße in Linz saniert - und hat dafür den Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit in der Kategorie Modernisierung verliehen bekommen. Während die Mieter vorher 40 Euro Heizkosten pro Monat zahlen mussten, sind es heute gerade mal vier Euro. Der Bau aus den Fünfzigerjahren wurde mit einem neuen thermischen Glaskleid versehen, das gleichzeitig perfekte Schalldämmung bietet und damit den Wohnkomfort wesentlich erhöht. "Es gibt da natürlich ein gesetzliches Problem", meint Gnaiger: "Der Hauseigentümer kann die Investition nicht weiterverrechnen."

Energieüberschuss

Bei der Volksschule in Klaus in Tirol ist die Sache dagegen einfacher: Der Vorgängerbau hat der Gemeinde jährlich hohe Energiekosten verursacht. Der Neubau der Architekten Dietrich|Untertrifaller, der mit dem Staatspreis in der Kategorie Neubau ausgezeichnet wurde, verursacht heute überhaupt keine Energiekosten mehr. Ganz im Gegenteil, man verzeichnet sogar einen leichten Energieüberschuss, der ins allgemeine Netz eingespeist werden kann.

"Es ist nicht nur ein Wettbewerb der Kaltmieten, sondern auch der Gesamtkosten", sagt Winfried Kallinger, Geschäftsführer des Bauträgers Kallco. Durch die Einführung der Bauträgerwettbewerbe in Wien habe es in der Bundeshauptstadt im geförderten Wohnbau einen beachtlichen Qualitätsschub in Richtung Nachhaltigkeit gegeben.

Ökologie als Must-have

Heute traue sich keiner mehr, beim Bauträger-Wettbewerb ein Nicht-Niedrigenergiehaus abzugeben. Nur beim frei finanzierten Wohnbau läuft der Hase anders: Da zähle nach wie vor noch eher das Prestige, wie etwa goldene Türschnallen oder Marmorböden. Besonders schlimm ist es laut Kallinger beim Bürobau: "Hier werden gigantische Summen für sinnlose Architektur ausgegeben. Das sind reinste Energieschleudern."

In der Architektur geht es um Schönheit, Raum und Farbe, das Thema der Ökologie sei da eher lästig, konstatiert Architekt Roland Gnaiger. Doch das ändere nichts am Umstand: Umdenken ist angesagt. (Anne Isopp, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.10.2006)

  • Die Sanierung des Wohnbaues in der Linzer Makartstraße bekam den Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit verliehen.
    foto: giwog

    Die Sanierung des Wohnbaues in der Linzer Makartstraße bekam den Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit verliehen.

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