Interdisziplinäre Schmerztherapie

12. Juli 2007, 16:29
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Schmerzen müssen nicht einfach erduldet werden - die inter­disziplinäre Schmerztherapie kann für rund 90 Prozent Linderung bringen

Klagenfurt - Ein Fünftel der Bevölkerung leidet an chronischen Schmerzen. Viele, vor allem Ältere, würden aber meinen, diese einfach ertragen zu müssen, betonte der Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft, Rudolf Likar in Klagenfurt. Dies will die Schmerzgesellschaft ändern und hat dafür den Folder "Stopp dem Schmerz" herausgegeben, in dem eindringlich davor gewarnt wird, Symptome einfach zu übergehen.

Zu wenig ernst geommen

Likar, der am LKH Klagenfurt eine interdisziplinäre Schmerzambulanz aufgebaut hat, konzedierte allerdings auch, dass manche Mediziner die Beschwerden ihrer Patienten immer noch zu wenig ernst nehmen würden.

Zuhören erspart teure Untersuchungen

Likar: "Das Wichtigste ist es, mit dem Patienten zu reden, ihm zuzuhören. Eine gute Anamnese ist bereits Teil der Diagnose und kann oft teure Untersuchungen ersparen." Daher wäre es von großer Bedeutung, wenn es gelänge, bei den Sozialversicherungen durchzusetzen, dass ein ausführliches Gespräch honoriert wird.

Diplom für Schmerztherapie

Die Ärzte wollen auch bei sich selbst nicht untätig bleiben. Man wolle die Schmerztherapie stärker schon in der medizinischen Grundausbildung verankern, sagte Likar. Zudem sollen Fortbildungsprogramme und ein eigenes "Diplom Schmerztherapie" entwickelt werden. Besonderes Augenmerk wolle man dabei auf die Vermittlung interdisziplinärer Kenntnisse legen, meinte der Dozent.

Folgeschäden durch Nichtbehandlung

Für Univ.-Prof. Tatjana Paternostro-Sluga, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation, steht das interdisziplinäre Denken bei der Behandlung von Schmerzen ebenfalls im Vordergrund. Sie wies darauf hin, dass ein Nicht-Behandeln chronischer Schmerzen oft Folgeschäden nach sich ziehen könne: "Schmerzen führen oft zu verminderter körperlicher Aktivität, das wiederum bedingt eine muskuläre und kardiovaskuläre Dekonditionierung."

Der Patient bewege sich dadurch noch weniger, wodurch die Schmerzen etwa bei abgenützten Gelenken noch stärker würden. "Dieser Teufelskreis kann bis zum Tod führen", warnte Paternostro-Sluga.

Individuelle Therapie

Zum immer wiederkehrenden Thema der Akzeptanz von Opiaten in der Schmerztherapie zitierte Likar aus einer britischen Studie an rund 20.000 Patienten. Daraus gehe hervor, dass "normale" Antirheumatika in vielen Fällen bei Dauerbehandlung Folgeschäden mit sich brächten. "Es muss klar sein, dass man nicht 20 Jahre lang durchgehend etwa Voltaren verschreiben kann." Die Bandbreite der Medikamente sei sehr groß, es dürfe keine Tabus geben: "Es geht darum, dass möglichst viele Schmerzpatienten die individuell passende Therapie erhalten." (APA)

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