Arbeitnehmer drohen mit Protesten

25. Oktober 2006, 16:10
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Betriebsversammlungen in mehreren hundert Betrieben - Maß­nahmen bei Schei­tern der KV-Verhandlun­gen am 2. November

Wien - Im Lohnkonflikt in der heimischen Metallindustrie haben die Arbeitnehmer mit Protestmaßnahmen gedroht, wenn auch die vierte Verhandlungsrunde am 2. November keine Einigung bringen sollte. "Sollte es auch bei der nächsten Verhandlungsrunde keinen Abschluss geben, werden wir bei einer weiteren Betriebsversammlung Maßnahmen und Aktionen zur Durchsetzung unserer berechtigten Forderungen beschließen", hieß es in einer Resolution, die die Gewerkschaft der Belegschaft vorgelegt hat. Die Unternehmer-Seite hat sich davon bereits im Vorfeld unbeeindruckt gezeigt.

Österreichweit hält die Gewerkschaft seit Montag in mehreren hundert Firmen Betriebsversammlungen ab. Dabei sollen die rund 180.000 Metaller und Industrieangestellten über die Resolution abstimmen, in der noch einmal bekräftigt wird, dass das bisher letzte Angebot der Unternehmer-Seite "völlig unzureichend und unannehmbar" sei. Die Arbeitgeber hatten nach einer neuerlichen zwölfstündigen Marathonsitzung in der dritten Verhandlungsrunde vergangene Woche 2,3 Prozent Lohn- und Gehaltserhöhung und eine nicht näher definierte Einmalzahlung vorgeschlagen, die dem Vernehmen nach unterm Strich knapp 2,8 Prozent Istlohnerhöhung gebracht hätte.

"Sicherung des Lebensstandards

In der Erklärung fordert die Arbeitnehmer-Seite neuerlich "Lohn- und Gehaltserhöhungen, die unseren Lebensstandard sichern und einen gerechten Anteil am wirtschaftlichen Wachstum darstellen". Angesichts "hervorragender Wirtschaftslage und hoher Gewinne" habe die Belegschaftsseite "überhaupt kein Verständnis" für die Haltung de Unternehmer, heißt es. Konkrete Gehaltsforderungen nennt die Gewerkschaft weiterhin nicht. Dem Vernehmen nach strebt sie aber einen Dreier vor dem Komma an.

Strittig ist auch nach wie vor die Frage der Flexibilisierung des bisherigen Lohnmodells. Die Unternehmerseite hatte ursprünglich eine Abkehr von einer streng einheitlichen Lohnerhöhung für alle Betriebe gefordert und stattdessen für ein Modell plädiert, dass neben einer geringeren Fixerhöhung eine gewinnabhängige Prämie vorsieht. Das Modell ist vorerst vom Tisch. Die Unternehmerseite verlangt aber zumindest "einen Schritt in die Richtung". In der Resolution der Belegschaften heißt es dazu, man sei weiterhin "offen für intelligente, kreative und innovative Lösungen". Eine solche Lösung müsse aber auch den Arbeitnehmern Vorteile bringen.

Von den Betriebsversammlungen, die verteilt bis Mittwoch laufen, werden vor allem Unternehmen in den Bundesländern Oberösterreich, Steiermark und Niederösterreich betroffen sein. Beeinträchtigungen im Betrieb soll es aber nicht geben. Es handle sich um "übliche Informationsveranstaltungen", die auch dann stattgefunden hätten, wenn es in der letzten Verhandlungsrunde zum Kollektivvertragsabschluss gekommen wäre, hieß es aus der Gewerkschaft.

"Unfreundlicher Akt"

Unternehmer-Verhandler Hermann Haslauer hatte die Betriebsversammlungen nach den gescheiterten Gesprächen Freitagfrüh als "unfreundlichen Akt" bezeichnet und gleichzeitig erklärt, dass sich die Unternehmer-Seite "dem Diktat nicht beugen" werde. Haslauer warf der Gewerkschaft vor, "sich auf Kosten der Arbeitsplätze und auf Kosten des Standorts" profilieren zu wollen. Die Firmen verweisen darauf, dass - ungeachtet hoher Gewinne einiger großer Konzerne - zahlreiche kleinere Betriebe in der Branche Verluste schreiben. Man müsse darauf achten, dass die Kosten nicht davon galoppieren, so die Argumentation von Seiten der Unternehmer.

Der Abschluss der Metaller hat traditionell Signalwirkung für alle weiteren KV-Runden. Ebenfalls bereits im Laufen sind die KV-Verhandlungen für die rund 450.000 Handelsangestellten. Die nächste Runde dort ist für 9. November angesetzt worden. Ab 21. November folgt dann die Kreditwirtschaft mit 70.000 Mitarbeitern. (APA)

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