Tschuden wird neuer Finanzvorstand

10. November 2006, 12:02
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Der Wienerberger-Manager war Favorit für die Nachfolge von Stefano Colombo - SPÖ spricht von voreiliger Entscheidung

Wien/Athen - Mit einer umstrittenen Personalentscheidung hat der Aufsichtsrat der Telekom Austria für neuen Zündstoff in den Regierungsverhandlungen gesorgt. Die Kontrollorgane unter Führung von ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis beorderten am Montag Johann Tschuden (47), derzeit Finanzchef beim Ziegelerzeuger Wienerberger ins Telekom-Management. Er wird dort dem scheidenden Telekom Austria-Finanzvorstand Stefano Colombo (45) ab 1. April 2007 nachfolgen, teilte das Unternehmen nach der Sitzung mit.

SPÖ-Budgetsprecher Christoph Matznetter sprach in einer Reaktion von einer "voreiligen Entscheidung". Die SPÖ hatte zuletzt in den Regierungsverhandlungen verlangt, mit der Nachbesetzung noch zu warten, bis geklärt ist, wie es mit dem verbliebenen Staatsanteil an der Telekom und mit der Telekom selbst weiter gehen soll. Finanzminister Karl-Heinz Grasser hatte Matznetter daraufhin Postenschacher vorgeworfen.

Die Ernennung Tschudens war laut Medienberichten aber auch in der Telekom umstritten, weil ihm die im Anforderungsprofil verlangten Erfahrungen im Bankwesen und Finanzierungswesen (Treasury) fehlten. Telekom Austria-Chef Boris Nemsic soll sich deshalb für Gerhard Grund, Vorstand der Raiffeisen Centrobank, ausgesprochen haben. Auch Matznetter erklärte in einer Aussendung, dass Grund seiner Ansicht nach "der best qualifizierte Bewerber" gewesen, jedoch durch "das Umfeld Grassers zum Rückzug bewegt" worden sei.

Michaelis verteidigt Entscheidung

ÖIAG-Vorstand und Telekom Austria-Aufsichtratschef Peter Michaelis verteidigte am Montag die Entscheidung und erklärte, mit Tschuden "einen exzellenten Nachfolger für Stefano Colombo gefunden zu haben". Durch die rasche Entscheidung sei "die Kontinuität in der Unternehmensführung bestmöglich sichergestellt" worden, so Michaelis.

Die Bestellung des Managers, der seit 17 Jahren bei Wienerberger tätig war, sei auf Basis eines mehrstufigen Auswahlverfahrens - unter Einbindung des Personalberaters Egon Zehnder - erfolgt. Im Rahmen der entsprechenden Kandidaten-Hearings habe er sich "auf Grund seiner ausgezeichneten Finanz- und Börsekompetenz, umfassenden operativen Qualifikation, internationaler Erfahrung und hervorragender Führungsqualitäten als bestgeeigneter Kandidat erwiesen", hieß es weiter in der Unternehmensaussendung.

Telekom dementiert getrenntem Verkauf der Mobilkom

Dementiert hat die Telekom Austria in der Zwischenzeit Gerüchte, wonach die Mobilkom getrennt vom Festnetz verkauft werden könnte. "Ganz entschieden dementieren wir, dass das Telekom Austria-Management einen Verkauf von Mobilkom Austria und deren Gesellschaften plane", erklärte eine Sprecherin des Unternehmens. In der Aufsichtsratssitzung sei dies kein Thema gewesen. Vergangene Woche hatte es aus Unternehmenskreisen geheißen, dass die Telekom Austria in eine neue Infrastruktur-Holding womöglich nur das Festnetz einbringen wolle. In Banker-Kreisen war daraufhin davon die Rede, dass dies zwangsläufig zu einem Verkauf der Mobilkom führen würde. Im Management-Umfeld der Telekom Austria wurde dies aber schon vergangene Woche dementiert.

"Keinen Kommentar" gab es am Montag zu Gerüchten aus Athen, wonach die Telekom Austria den größten griechischen Telekom-Betreiber OTE kaufen möchte. Die Athener Zeitung "Imerisia" hatte am Wochenende berichtet, Finanzminister Karl-Heinz Grasser habe seinem griechischen Amtskollegen George Alogoskoufis bei einem Treffen in Luxemburg am 9. Oktober erklärt, dass die Telekom Austria für OTE bieten könnte. Die Sprecherin der Telekom sagte dazu nur knapp: "Wir wissen nicht, was damals gesprochen wurde."

Übernahme-Spekulationen zu OTE

OTE gilt bereits seit längerem als möglicher Partner der Telekom Austria. Vor allem deren Mobilfunk-Aktivitäten in Rumänien, Albanien und Mazedonien werden als gute Ergänzung zu den osteuropäischen Aktivitäten der Mobilkom erachtet. Derzeit gehört OTE noch zu 38,7 Prozent dem griechischen Staat, der Rest liegt in Streubesitz. An der Telekom Austria hält die Staatsholding ÖIAG noch 25,2 Prozent, die übrigen Anteile werden ebenfalls an der Börse gehandelt.

Die Telekom Austria-Aktie hat am Montag rund 2 Prozent verloren. Kurz vor Handelsende lag der Kurs bei 19,60 Euro je Aktie. (APA)

  • Johann Tschuden
    foto: standard/matthias cremer

    Johann Tschuden

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