Akne und Therapie

24. Oktober 2006, 09:52
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Ätzen, spachteln, abrasieren - wie starke Aknefolgen durch dermatologische Verfahren sichtbar gemildert werden können

Akne ist eine der häufigsten Hauterkrankungen und tritt bei beiden Geschlechtern auf, wobei Männer tendenziell schwerer betroffen sind. In den westlichen Industrieländern leiden zumeist Menschen in der Pubertät an Akne, während diese Dermatose bei Völkern mit ursprünglichen Lebensformen überhaupt nicht auftritt. Akne beginnt zwischen dem 10. und dem 14. Lebensjahr und klingt meist bis zum 25. Lebensjahr wieder ab.

Die Ausprägung kann diskret mit einigen Mitessern sein, kann aber auch ausgedehnte Hautveränderungen im Gesicht, Oberkörper und Rücken aufweisen, die zu einer psychischen Belastung werden.

Entstehung

Bei der Entstehung von Akne wirken mehrere Faktoren mit: eine hormonell bedingte vermehrte Talgabsonderung (Seborrhoe), die Wucherung von Hautzellen (Hyperkeratose), mikrobielle Besiedelung durch Propionibakterien, immunologische Prozesse und lokale Entzündungen. Auch eine familiäre Häufung wird angenommen. Wenn beide Eltern an Akne gelitten haben, liegt die Wahrscheinlichkeit für ihre Kinder bei mehr als 50 Prozent. Vermutlich sind Gene dafür verantwortlich, u. a. jene Enzyme, die männliche Sexualhormone steuern.

Aknetherapien

Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass Akne pickelige Jugendliche später seltener an Herzerkrankungen leiden, ist wohl nur für jene ein Trost, die sich im Erwachsenenalter nicht mit den unansehnlichen Folgen der Pubertätsdermatose herumschlagen müssen. Sybille Wichlas, Dermatologin in Wien, kann aber auch in diesem Falle beruhigen: "Auch wenn ein Gesicht mit Aknenarben niemals zum Pfirsichteint wird, können die störenden Unebenheiten allerdings doch merklich gemildert werden."

Narben spezifizieren

Je nach Narbentyp werden unterschiedliche Therapien versucht. Bei wuchernden und erhabenen Narben setzt Wichlas vorzugsweise Kortisoninjektionen ein, "die das Gewebe wieder auf Hautniveau bringen". Eingesunkenen Narben mit Verhärtungen hingegen kann man mit so genannten ablativen Verfahren zu Leibe rücken.

Viele Möglichkeiten

Hier gibt es je nach persönlicher Erfahrung der Hautspezialisten verschiedene Möglichkeiten von CO2-Laser über Mikrodermabrasion und chemischen Peelings bis hin zum so genannten Kauter, mit dem scharfkantige Narben - um mit einem Vergleich zu sprechen - glatt geschmolzen werden. Weiche, eingesunkenen Areale füllt Wichlas hingegen wieder mit der körpereigenen Substanz Hyaluronsäure auf, wobei mit der präzise geführten Injektionsnadel gleichzeitig mechanisch bindegewebige Verhärtungen unter der Haut gelöst werden.

"In den meisten Fällen sind Aknenarben aber gemischt und man kombiniert mehrere Verfahren miteinander", betont Wichlas, die eine Melange aus Hyaluronsäure-Behandlung mit chemischen Peelings verschiedener Stärke bevorzugt.

Dermatologischer Mix

Auch Daisy Kopera berichtet von beachtlichen Erfolgen mit Peelings, wobei sie verschiedene Substanzen wie Trichloressigsäure, Fruchtsäure-Mischungen oder Salicylsäure zum Einsatz bringt: "Dabei werden die obersten Schichten der Haut gezielt verätzt und eine offene Wundfläche erzeugt", erklärt sie. Der positive Effekt dieser Methode: die Haut wird zur Bildung neuer Hautzellen angeregt. Kopera gibt aber auch ganz offen zu, dass dabei ein gewisses Risiko für eine zusätzliche Vernarbung besteht. "Fruchtsäure-Anwendungen bei Aknenarben erfordern deshalb sehr viel Erfahrung und ein großes Fingerspitzengefühl."

Ganz wichtig sei es, so Hautärztin Kopera, gemeinsam mit den Patienten von vornherein eine realistische Erwartungshaltung zu schaffen. "Denn Narben wirklich vollständig zu entfernen, ist ein Kunststück, das auch einem Experten nur in den seltensten Fällen gelingt."

(Andrea Fallent/MEDSTANDARD/23.10.2006)

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