Erneut Unruhen bei Paris

27. Oktober 2006, 11:28
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Jugendliche zünden Bus und Autos an - Busfahrer wollen Pariser Vorort Grigny nicht mehr anfahren

Evry - Nach dem Angriff einer Jugendbande auf einen Linienbus sind am Montag die Busfahrer in Grigny bei Paris in den Streik getreten. Gewerkschafter teilten mit, die Fahrer wollten das "Risikoviertel" Grande-Borne nicht mehr anfahren. Für die anderen Strecken verlangten sie den Einsatz von Sicherheitsleuten. Am 27. Oktober 2005 hatten wochenlange Jugendunruhen in den französischen Einwanderervierteln begonnen. Je näher dieser Jahrestag rückt, desto häufiger kommt es in diesen Vierteln wieder zu Spannungen.

In Grande-Borne war am Sonntag um 14.00 Uhr ein Linienbus von 30 bis 40 Jugendlichen niedergebrannt worden. Der Busfahrer und die Passagiere blieben unverletzt. Die vermummten Jugendlichen hatten zunächst Autos angezündet und als Straßensperre benutzt. Als der Bus kam, überfielen sie ihn. Streifenwagen wurden mit einem Steinhagel empfangen. Bei einer anschließenden Straßenschlacht wurden zwei Personen festgenommen. Anlass der Ausschreitungen war die Festnahme zweier Personen bei einer Ausweiskontrolle in einer Bar am Vorabend gewesen.

9.000 Autos angezündet

Im Herbst 2005 hatten überwiegend Jugendliche über drei Wochen hinweg in verarmten Pariser Vorstädten und anderen Orten im ganzen Land randaliert. Mehr als 9.000 Autos waren in Brand gesetzt worden. Es waren die schwersten Krawalle in Frankreich seit fast 40 Jahren. Die meisten Randalierer waren Jugendliche afrikanischer oder arabischer Herkunft, die über Diskriminierung, Arbeitslosigkeit und mangelnde Perspektiven klagten. Die Krawalle hatten in Frankreich eine heftige Einwanderungsdebatte ausgelöst.

Innenminister Nicolas Sarkozy hatte nach den jüngsten Übergriffen bereits angekündigt, Angriffe auf Polizei und Feuerwehr künftig härter zu bestrafen. Das Thema innere Sicherheit wird wohl eine zentrale Rolle im französischen Präsidentenwahlkampf 2007 spielen. Besonders der konservative Spitzenkandidat Sarkozy versucht, sich als kompromissloser Kämpfer gegen das Verbrechen zu profilieren. (APA/Reuters)

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