[dag] Servas Maxl!

22. Oktober 2006, 20:54
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Der afrikanische Rosenverkäufer ahnt gar nicht, wie therapeutisch wichtig er für die Biertrinker ist

Servas Maxl! Der afrikanische Rosenverkäufer im Gasthaus ahnt gar nicht, wie therapeutisch wichtig er für jene Gruppe von Wienern ist, die ihn soeben zum Tisch gerufen haben. Vorher wirkten die drei, als sei ihnen an diesem Tag nur Unheilvolles widerfahren. Im Job haben sie es wohl wieder billig geben müssen. Daheim: Da wollen sie lieber gar nicht daran denken. Trübsinnig haben sie der Schaumkrone des je eigenen Krügerls beim Zusammenfallen beigewohnt. Zu erzählen hatten sie nichts mehr. Sie wissen ja längst voneinander, wie viel besser sie sind, als es den Anschein erweckt, wie weit sie vom Schicksal Stunde um Stunde unter ihrem Wert geschlagen werden - und wer aller daran schuld ist.

"Ab in die Wüste!"

Ja, und endlich kommt die richtige Person auf sie zu: ein kleiner Rosenverkäufer mit dunkler Hautfarbe. "Servas Maxl!", ruft ihm der Erste entgegen: "Was verlangst denn für so an Stängel?" - "Ein Euro." Der Afrikaner lächelt schüchtern. "An Euro, Maxl?", brüskiert sich der Zweite: "Des kannst am Kongo verlangen!" Der Afrikaner lächelt verlegen. "Auf Wiederschauen, ab in die Wüste!", verabschiedet ihn der Erste. Alle drei lachen. Jetzt haben sie neue Kraft für den Alltag geschöpft. (Daniel Glattauer, DER STANDARD Printausgabe, 23.10.2006)

  • Artikelbild
    foto: epa/harish tyagi
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