Skoceks Zeitlupe: Gesprächskultur

27. Oktober 2006, 14:47
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Von der Wende, dem Schweigekanzler des Fußballs und downgegradeten Bittstellern

Die Zukunft des Landes und seine Unterhaltung wird derzeit in Untergruppen verhandelt. Frank Stronach will die Fortsetzung der Koalition mit der Austria von einer Wende abhängig machen: Die gegen Magna opponierenden violetten Hardliner sollen das Werk übernehmen oder für immer schweigen. Der Austria droht die Mutter aller Ideologienkämpfe: Freiheit und Schulden oder Grundsicherung und Abhängigkeit.

Der Schweigekanzler Didi Mateschitz regiert Salzburg absolut. Er muss mit niemandem verhandeln, wenn er im Sommer 2007 seine erfolglosen Minister auswechselt.

Trotz großer Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit hat Red Bull Salzburg nicht den Eintritt in den europäischen Markt geschafft. Mateschitz macht reine Geldpolitik, sei es in der Formel 1, im Eishockey oder eben im Fußball: Wir kaufen uns, was wir brauchen. Die Eigenproduktion bleibt die Hoffnung der Schwellenklubs zwischen Armut und Subvention, von Rapid bis Ried.

Premiere und ORF haben eine Koalition gebildet, bevor noch die Kräfte des Marktes die TV-Lizenzen der Bundesliga verteuern könnten. Die Klugheit des internationalen Großkaufmannes gebietet eben zu handeln, bevor es zum Handel kommt und man mit anderen den Preis verhandeln muss.

Die kleinen Teilnehmer am Markt wie etwa ATVplus oder die Fußballklubs werden von Gesprächspartnern zu Bittstellern downgegradet. Im schlimmsten Fall scheiden sie schlicht und ergreifend aus dem Verkehr, wie der präsumptive Konkursfall Sturm Graz. Das heißt freilich nicht, dass sie wertlos werden, solange die Grundlage der Gesprächsdemokratie unbestritten bleibt: Reden ist Silber, Schmutzwäsche ist Gold. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 23.10.2006)

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