Boom im Schatten

5. Jänner 2007, 11:20
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Typische Fälle, bei denen Schattenwirtschaft systematisch vorkommt mit Beispielen versehen

Viele Faktoren bedingen die hohe Nachfrage nach Handwerks-Pfusch und unversteuerten Dienstleistungen. Die hohen Steuern, die Anbieter und Angebotsnehmer knebeln; rigide Regulatorien rund um das Gewerbe; die Tatsache, dass Otto Normalverbraucher mit seinem schwer verdienten Geld nicht ins Ausland gehen kann, wie es Großverdiener gerne tun. Die vielen Ausländer ohne Arbeitserlaubnis.

Immer mit Beispielen versehen, schildert das Autorenduo die typischen Fälle, bei denen Schattenwirtschaft systematisch vorkommt. Die Sympathie für diese Wirtschaftsform schwingt dabei immer durch. Erstens, weil den handelnden Personen keine andere Wahl bleibt, ihr Einkommen zu gering ist oder weil in der offiziellen, also der versteuerten Wirtschaft kein Platz für sie ist. Zweitens, weil dieser unregulierte Sektor hoch effizient arbeitet. Und drittens, weil Untersuchungen zeigen, dass das Geld, das im Schatten eingenommen wird, schnell ausgegeben wird.

Leider wird in dem Buch ausschließlich auf deutsche Gegebenheiten Bezug genommen. Obwohl Friedrich Schneider, einer der beiden Autoren, prominenter Experte für Schwarzarbeit auch in Österreich ist, ist er doch Professor und Vizerektor an der Universität in Linz. Schattenwirtschaft, so die Konklusio des Buches, lässt sich mit Sanktionen und Kriminalisierung der Beteiligten nicht eindämmen. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.10.2006)

Friedrich Schneider/Helmut Badekow: Ein Herz für Schwarzarbeiter. Warum die Schattenwirtschaft unseren Wohlstand steigert. Econ-Verlag, Euro 18,50
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    foto: standard/econ
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