Der Schutzengel war oft mit dabei

23. Oktober 2006, 13:01
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Rund jeder sechste F1-Pilot ist im Motorsport ums Leben gekommen - Michael Schumacher hat mehr als 15 Jahre über­lebt - manchmal knapp

São Paulo - Schumachers erste Jahre in der Formel 1 waren objektiv die gefährlichsten. Die meisten der schweren Unfälle des Deutschen ereigneten sich allerdings nach der großen Sicherheitsdebatte, die die Todesfälle von Roland Ratzenberger und Ayrton Senna 1994 im Training bzw. im Rennen von Imola ausgelöst hatten. Trotz der verbesserten Sicherheitsstandards, die seither tödliche Crashs verhindert haben, hatte Schumachers Schutzengel alle Hände voll zu tun, um ihn lebend durch die 249 GP bis zu seinem Abschied am Sonntag (nach Redaktionsschluss) zu bringen. Ganz ohne Verletzungen ist es allerdings nicht abgegangen.

19. Oktober 1991: Im Training zum GP von Japan in Suzuka verliert Schumacher bei Tempo 280 die Kontrolle über seinen Benetton und kracht nach zahlreichen Drehern in die Streckenbegrenzung. Eine dabei erlittene Fraktur eines Halswirbels wird erst Jahre später festgestellt.

23. August 1996: Schumacher prallt im Training zum GP von Belgien in Spa in einen Reifenstapel und erleidet eine Knieverletzung, die ihn allerdings nicht daran hindert, tags darauf im Ferrari das Rennen zu gewinnen.

11. Juli 1999: Schumacher kommt beim GP von England in Silverstone in der ersten Runde von der Strecke ab, rast durch ein Kiesbett und kracht mit mehr als 100 km/h in einen Reifenstapel. Der Ferrari-Pilot wird mit einem doppelten Beinbruch aus dem zerstörten Fahrzeug geborgen. Nach sechs Rennen Pause kehrt Schumacher erst in Malaysia wieder zurück.

Angesichts der tausenden Testkilometer, die Schumacher in seiner Karriere zurückzulegen hatte, ist es nicht verwunderlich, dass etliche schwere Unfälle nicht von TV-Kameras festgehalten wurden.

17. Juli 2001: Bei Testfahrten in Monza bricht beim Anbremsen der Roggia-Schikane das Heck von Schumachers Ferrari bei Tempo 310 aus. Das Auto kracht in die Reifenstapel, der Pilot entsteigt dem zerstörten Boliden unverletzt, sagt weitere Tests ab und fährt nach Hause.

2. September 2004: Wieder Tests in Monza. Schumacher hat bei Tempo 340 ein Problem am linken Hinterrad und prallt 150 Meter nach der Boxeneinfahrt mit dem Heck voran in die Begrenzungsmauer. Der Ferrari wird völlig zerstört. Der Weltmeister kann sich selbst aus dem Wrack befreien und ruht sich kurz hinter der Streckenbegrenzung auf einer Wiese aus, bevor er unter dem Jubel der Zuschauer an die Box zurückkehrt.

Nicht selten, auch das gehört ja zu Schumachers Karriere, haben Unfälle segensreich gewirkt.

13. November 1994: Schumacher beschädigt nach einem Ausrutscher im WM-Finale in Adelaide seinen Benetton. Kurz darauf lässt er eine überraschend große Lücke und lädt so seinen Rivalen Damon Hill zu einem Überholversuch ein. Schumacher macht die Tür zu - Kollision. Schumacher scheidet sofort aus, Hill muss den Williams mit defekter Radaufhängung abstellen. Damit ist Schumacher erster deutscher Formel-1-Weltmeister. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 23. Oktober 2006, sid, lü)

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