Countdown im Rennen zum Verbund

24. Oktober 2006, 08:39
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Dienstag entscheidet der Aufsichtsrat über zwei Karrieren: ob Langzeit-Chef Hans Haider bis 2009 bleibt und wer viertes Vorstandsmitglied im Stromkonzern wird

Wien - Fünf Bewerber waren bei Personalberater Egon Zehnder International ab Sonntagmittag zum entscheidenden Hearing geladen: Die beiden Vorstandsmitglieder der Verbund-Tochter APT (Austrian Power Trading) Christian Kern und Günther Rabensteiner, ÖVP-Nationalratsabgeordnete Ulrike Baumgartner-Gabitzer, EVN-Manager Stefan Szyszkowitz und Illwerke-Vorstand Christof German.

Außenseiterchancen

Letzterem werden im Rennen um den vierten Vorstandssessel in der Verbundgesellschaft, das am Dienstag entschieden wird, freilich nur Außenseiterchancen eingeräumt, gilt der Jurist wohl als fachlich versiert, aber nicht vom Schlag einer Baumgartner-Gabitzer, der zwar Vorstandserfahrung fehlt, die sich dafür aber im Kabinett von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und danach im Verband der E-Wirtschaft Meriten verdiente. Eine Überraschung der Extraklasse wäre zweifellos auch eine Nominierung Szyszkowitzs zum vierten Verbund-Vorstandsmitglied. Denn mit dem Wechsel des EVN-Bulgarien-Managers wäre der niederösterreichische Verbund-Großaktionär erstmals persönlich im Board von Österreichs größtem Stromkonzern vertreten.

Das wäre freilich ein Indiz dafür, dass Verbund-Chef Hans Haiders Tage an der Verbund-Spitze gezählt sind. Auch darüber hat der Verbundaufsichtsrat unter Ex-Wienerberger-Chef Erhard Schaschl in seiner außerordentlichen Sitzung am Dienstag zu befinden. Ob die Chancen des 64-Jährigen auf eine Vertragsverlängerung bis 2009 noch intakt sind, war bis zuletzt unklar. Sowohl für als auch gegen eine Prolongierung des Mandats ohne neuerliche Ausschreibung wurden Gutachten eingeholt: das Pro im Auftrag Schaschls und das Kontra im Auftrag der EVN, die einen Verbleib Haiders naturgemäß verhindern will.

Beste Chancen

Beste Chancen auf das vierte Verbund-Vorstandsmandat werden - ungeachtet der Querschüsse, ihn als Ex-Sekretär von SP-Volksanwalt Peter Kostelka parteipolitisch zu diskreditieren - nach wie vor APT-Manager Christian Kern eingeräumt. Er hat gilt als fachlich unumstritten, kommt aus dem Haus, hat die Österreichische Stromlösung mitverhandelt und würde eine Verjüngung des Vorstands bedeuten.

Letzteres wäre freilich auch bei der von der ÖVP protegierten Baumgartner-Gabitzer der Fall. Sie als künftige Verbund-Chefin können sich allerdings selbst namhafte Schwarze nicht vorstellen. Genau dafür aber wurde der seit Jahren verwaiste Sessel überhaupt ausgeschrieben. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.10.2006)

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    Hat Chance auf Verlängerung, muss aber zittern: Verbund-Chef Hans Haider.

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    Am besten qualifiziert, ist aber kein ÖVPler: Verbund-Manager Christian Kern.

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    Wird von der Kanzlerpartei unterstützt: Ulrike Baumgartner-Gabitzer.

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