"Der Mitbewerb hat keine Rolle gespielt"

29. Jänner 2008, 11:18
38 Postings

Katharina Thiel von Microsoft im Interview über den neuen Internet Explorer 7 und die Zukunftspläne des Konzerns

Am 18. November hat Microsoft nach einer "Kreativpause" von fünf Jahren die neue Version seines Webbrowsers, des Internet Explorer, veröffentlicht. Die deutsche Version wird voraussichtlich am 30. November nachfolgen. Der WebStandard hat bei Katharina Thiel von Microsoft Österreich nach den Plänen, Erwartungen und der Zukunft mit und vom Internet Explorer nachgefragt.

derStandard.at: Sehr geehrte Frau Thiel, nach mehr als fünf Jahren hat Microsoft nun mit dem Internet Explorer 7 eine neue Version seines bekannten Webbrowsers veröffentlicht. Warum dauerte es so lange?

Katharina Thiel: Die Entwicklung des Internet Explorers startete vor gut zwei Jahren. Damals haben wir erkannt, dass unser Webbrowser nicht mehr allen Anforderungen gewachsen ist. Es war eine Entwicklung, die positiv lange gedauert hat, denn so konnten alle Änderungen, die die AnwenderInnen wünschten, eingebaut werden. In den letzten Monaten hatten wir unglaublich großes Feedback von den UserInnen. Deren Feedback führte zu wesentlichen Verbesserungen und Neuerungen.

Wir haben ein großes Optimierungspotenzial vor allem im Sicherheitsbereich gesehen. Der Mitbewerb hat dabei keine Rolle gespielt und war nicht der Hauptgrund für die Entscheidungen und die neuen Verbesserungen.

derStandard.at: Welche Verbesserungen wurden vorgenommen beziehungsweise welche Neuerungen integriert?

Katharina Thiel: Das große Thema war natürlich die Sicherheit. Der Anti-Phishing-Filter, eine wichtige Verbesserung im Internet Explorer 7, wird zum offiziellen Start bereits 700.000 gemeldete und damit gesperrte Webseiten umfassen. Diese wurden und werden von den AnwenderInnen an Microsoft gemeldet beziehungsweise auch von professionellen Anbietern zugekauft. Damit es hier keine Fehler geben kann, werden alle Meldungen von Microsoft nachkontrolliert und zwar von einem Menschen und keiner Maschine; so werden Fehler vermieden.

Anti-Phishing ist ein aktuelles, heikles Thema, welches schwierig zu handhaben ist. Daher setzen wir hier auch auf die Meldungen der IE-AnwenderInnen. Unser Anti-Phishing-System scannt nach Charakteristika der angewählten Webseite. Weißt die URL diese auf, so wird in einer ersten Warnstufe die Adresszeile Gelb eingefärbt. In der zweiten Phase, wenn sich die Verdachtsmomente erhärten und es sich um eine gefälschte Seite handelt, springt die Farbe dann von Gelb auf Rot und die Webseite wird gesperrt.

derStandard.at: Sie sprechen vom großen Feedback der AnwenderInnen. Gab es einen Wunsch, der besonders häufig von den UserInnen an Microsoft geäußert wurde?

Katharina Thiel: Das häufigste Feedback gab es zum "Druck"-Feature im Internet Explorer. In der Vergangenheit war dies oft Grund für Ärger, da Webseiten nicht optimal ausgedruckt werden konnten und so oft eine mehr oder weniger leere Seite am Ende kam. Das Problem wurde häufig gelöst, indem man Dateien mittels Copy & Paste in Word kopierte und dann ausdruckte. Dies gehört nun der Vergangenheit an, der Internet Explorer 7 bietet ein "Shrink to fit"-Feature und somit wird das Ausdrucken von Webseiten kein Problem mehr bereiten.

Auch die Benutzeroberfläche und damit die User Experience wurde überarbeitet. Die Webseiten lassen sich nun auch übersichtlich auf einer Seite anzeigen und nicht mehr nur in Fenstern. Zudem gibt es nun auch im IE endlich Tabbed Browsing. AnwenderInnen können auch nicht mehr nur eine Startseite auswählen, sondern gleich ein Set von Startseiten, welches gleich aufgerufen wird. Verschiedene Bereiche wurden verschlankt, einige Dinge hinausgeworfen und etwa die Suche integriert.

derStandard.at: Die Suchfunktion ist auch ein zentrales Element von Windows Vista – welche Funktionen werden im Zusammenspiel vom kommenden Betriebssystem und dem Internet Explorer 7 möglich sein?

Katharina Thiel: Der Internet Explorer 7 wird mit Windows Vista ausgeliefert werden und ein zentraler Bestandteil sein. Neben der Suche wird auch die "Parental Control" (dh. Kindersicherung, Anm.d.Red.) ein wichtiges neues Feature sein. Eltern können eingeben, welche Seiten(inhalte) nicht angesurft werden dürfen, oder zu welchen Zeiten Kinder ins Netz dürfen oder nicht. Im "Protected Mode" müssen die AnwenderInnen jedes Programm, das ausgeführt werden soll, bestätigen; so soll verhindert werden, dass Programme unbemerkt im Hintergrund ausgeführt werden können.

derStandard.at: Erwarten Sie sich durch die enge Verzahnung vom Internet Explorer 7 in Windows Vista keinerlei Probleme mit der EU?

Katharina Thiel: Nein. Die jüngsten Entscheidungen aus Brüssel bedeuten, dass Windows Vista und damit auch der Internet Explorer 7 on Track und werden zur Verfügung gestellt werden.

derStandard.at Warum sollten AnwenderInnen, die jetzt schon auf Opera und Firefox gewechselt sind wieder auf den Internet Explorer 7 umsteigen? Oder sind diese AnwenderInnen nicht die wirkliche Zielgruppe für Microsoft?

Katharina Thiel: Wir wollen in der ersten Phase zunächst die bestehenden Internet Explorer-AnwenderInnen ansprechen. Diese sollen auf den IE 7 umsteigen. Im Laufe der Zeit wenn die UserInnen die breite Palette an neuen und tollen Funktionen gesehen haben, werden auch andere AnwenderInnen den IE 7 nutzen.

derStandard.at Welche Erwartungen haben Sie? Wieviel Prozent der bestehenden IE-AnwenderInnen werden auf den Internet Explorer 7 umsteigen?

Katharina Thiel: Wir rechnen mit 90 Prozent UmsteigerInnen in den ersten Phasen. Man kann da keine genauen Zahlen nennen. Wir rechnen aber damit, dass spätestens wenn der Internet Explorer über das automatische Update ausgeliefert werden wird, 90 Prozent aller bestehenden AnwenderInnen in Kürze umgestiegen sein werden. Dahinter steckt kein Selbstzweck, sondern es ist einfach so, dass der Internet Explorer 6 zu viel Angriffsfläche bietet und ein Umstieg sehr wichtig ist.

derStandard.at: Erwarten Sie Probleme beim Umstieg?

Katharina Thiel: Das Thema Kompatibilität war ein sehr wichtiges bei der Entwicklung des Internet Explorer 7. Wir haben dies bei den IT-Pros und den EntwicklerInnen auch über die Feedbacks erfahren und dafür gesorgt, dass es keine Probleme geben sollte. Es steht auch mit dem so genannten "Readiness Toolkit" ein Set von Werkzeugen für EntwicklerInnen bereit, damit diese ihre Webseite optimieren können. Für große Unternehmen gibt es zudem die Möglichkeit, das automatische Update zu blockieren, damit die Systeme entsprechend ausgetestet werden können.

derStandard.at: Wird der monatliche Patchday auch für den Internet Explorer weiter bestehen oder wird es öfter Updates geben? Service Pack 2 und Co. haben keine meßbare Verbesserung der IE-Sicherheit gebracht. Warum sollten die UserInnen die erneuten Versprechungen des IE 7 in diesem Bereich glauben?

Katharina Thiel: Wir werden weiterhin auf den monatlichen Patchday setzen. Wir werden beim Internet Explorer 7 die Feedback-Möglichkeiten der AnwenderInnen, EntwicklerInnen und IT-Pros auch in diesem Bereich weiter nutzen. Im Vergleich zur Vergangenheit können wir damit auf eine große Gruppe und mehr Information setzen, was auch eine wesentliche Verbesserung der Sicherheit bringen wird.

derStandard.at Wann soll das nächste Update kommen? Wie oft wird es überhaupt Updates geben?

Katharina Thiel: Es wird sicherlich mehr Updates geben als in der Vergangenheit. Allerdings gibt es hierzu noch keine konkreten Termine und Pläne.

derStandard.at Opera hat kürzlich auch in Europa eine spezielle Version seines Browsers für Nintendos mobile Spielekonsole DS herausgebracht. Plant Microsoft eine ähnliche Entwicklung oder eine spezielle Version des Browsers für seine Xbox 360?

Katharina Thiel: Der Internet Explorer 7 ist in einer speziellen Version für Smartphones verfügbar, da wird aber keine tragbare Spielekonsole im Angebot haben, denke ich nicht, dass wir eine eigene Version im Bereich der tragbaren Spielekonsolen bringen werden. Auch die Veröffentlichung eines Browsers für die Xbox 360 ist derzeit nicht geplant. Wir hören jedoch immer auf Kundenwünsche und sollte ein Browser für Xbox 360 ein Thema sein, dass sich unsere Kunden wünschen, dann werden wir auch sicher darüber nachdenken einen Browser für die Konsole anzubieten. Derzeit gibt es aber keine Pläne dafür.(Gregor Kucera)

  • Artikelbild
    standard
  • Katharina Thiel, Business Group Lead Microsoft Österreich
    microsoft

    Katharina Thiel, Business Group Lead Microsoft Österreich

Share if you care.