Quo Vadis?

22. Oktober 2006, 17:30
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Über einen 40-jährigen Amontillado der Spitzenklasse und seinen Ursprung in Teil 29

Quo Vadis? Delgado Zuleta? Weder auf den ersten, noch auf den zweiten Blick aufs Etikett dieses Ausnahme-Amontillados lässt sich ein Zusammenhang zwischen dem Wein und einer der ältesten Bodegas von Sanlúcar de Barrameda feststellen. Angaben auf dem aktuellen, aber uralten Etikett wie B. Rodriguez La-Cave lassen keinerlei Rückschluss auf den heutigen Produzenten zu (abgesehen von der Adresse, aber wer weiß schon von allen Bodegas auf Anhieb die Adressen auswendig?). Nicht gerade eine Marketingruhmesleistung, wobei lt. Exportmanager Pelayo García an der Neugestaltung der CI, inklusive Etiketten fieberhaft gearbeitet wird, um es in Zukunft dem Konsumenten leichter zu machen, den Wein richtig zuzuordnen.

Eine der ältesten Bodegas

1744 von Francisco Gil de Ledesma gegründet (erste Dokumente der Firmentätigkeit gibt es schon aus 1719), ist die Bodega in Sanlúcar de Barrameda somit eine der ältesten. Die Bodega hatte ursprünglich den Namen des Gründers, bis 1870 schließlich Dolores Nudi y Diaz de la Concha den Marineoffizier José María Delgado Zuleta ehelichte. Der erkannte die Zeichen der Zeit, wechselte ins Weinbusiness und führte die Bodega unter seinem Namen zu ungeahnten Höheflügen. So wurde die Bodega unter anderem offizieller Hoflieferant, eine Tradition, die ihre Fortsetzung bei der Wahl des Manzanillas La Goya (diese Marke gibt es seit 1918, als die berühmte Flamencotänzerin Aurora Jauffre, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen La Goya, der Bodega ihr Einverständnis gab, ihren Namen für eben diesen Manzanilla zu verwenden) für die Prinzenhochzeit vor 2 Jahren fand.

Quo Vadis? Solera

1978 fusionierte die Bodega mit der Bodega B. Rodriguez La-Cave und kam dadurch in den Besitz eben jener oben erwähnten Quo Vadis Solera, die vor rund 150 Jahren gegründet wurde und um die Delgado Zuleta zu Recht von vielen seiner Mitbewerber beneidet wird.

Während die Firma in früheren Jahren unzählige kleine Bodegas mitten in bester Stadtlage besaß, konzentrieren sich heute die Bodegageschäfte im 1989 errichteten Firmengebäude auf der Strasse nach Chipiona – lt. Firmenangaben eine privilegierte Lage auf Grund des sehr feuchten Unterbodens und der uneingeschränkten Versorgung mit frischer, feuchter Meeresluft. Mittlerweile exportiert die Bodega in über 15 Länder, wobei Andalusien nach wie vor der Hauptabsatzmarkt ist und kann auf rund 30 ha eigene Weingärten (die allerdings firmentechnisch getrennt sind) zugreifen. Der Rest wird von langjährigen Partnern zugekauft.

Die Bodega produziert die gesamte Palette an Sherrystilistiken, ausgenommen Olorosos. Neben dem schon erwähnten La Goya (für mich im Rahmen der modernen Manzanillastilistik fast klassisch anmutend – viele Einheimische beklagen die im Verhältnis zu früher starke Behandlung und Filtrierung vor der Abfüllung, Zuleta kontert mit Markterfordernissen, wobei ihm, wirtschaftlich betrachtet, die Verkaufszahlen sicherlich recht geben), stechen vor allem der unter dem Namen Zuleta verkaufte Amontillado und der Monteagudo (Pedro Ximenez) hervor, die auch durch ihr sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis überzeugen können.

Zurück zum Amontillado

Kurz zur Erinnerung: Ein Amontillado vereint die beiden traditionellen Ausbauarten der D.O., anfangs biologisch, danach oxidativ. Das heißt er wird die ersten Jahre (mindestens 3, bei manchen Bodegas auch 7 Jahre oder länger) wie ein Manzanilla oder Fino unter Florhefe ausgebaut, um dann, nach einer zweiten Aufspritung auf rund 18 % (in ganz seltenen Fällen auch ohne diese), seine weitere Reifung unter Sauerstoffeinfluss durchzumachen (je nach Bodega und Produkt von einigen wenigen Jahren bis hin zur „Unendlichkeit“).

Eines der wichtigsten Kriterien für einen guten Amontillado ist der Grundwein, sprich der Manzanilla in Sanlúcar, bzw. der Fino in Jerez wobei traditionellerweise auch in Jerez häufig Manzanillas aus Sanlúcar die Amontillado-Criaderas füttern. Wobei das nicht heißt, dass Bodegas die einen guten Manzanilla oder Fino produzieren, unweigerlich einen guten Amontillado machen, umgekehrt ist es allerdings ohne entsprechenden Grundwein nicht möglich einen guten Amontillado herzustellen. Sprich ist der Basiswein einer Bodega nicht ansprechend, lohnt es meist nicht, sich mit den Amontillados derselben auseinander zusetzen (als Entscheidungsgrundlage sollte aber der Wein im Fass dienen, haben doch viele der abgefüllten Weine aufgrund markttechnischer Überlegungen nur noch wenig mit dem Ursprungsprodukt zu tun).

Geschmackskonzentrat

Neben diesem Kriterium geht es, vor allem wenn man die teilweise sehr lange Ausbauzeit bedenkt, darum, die Criaderas über die Jahre hinweg entspechend zu hegen und pflegen, bei Bedarf korrigierend einzugreifen und ihnen die notwendige Reifezeit zuzustehen, um die unglaubliche Geschmackskonzentration zu ermöglichen.

All diese Kriterien erfüllt Delgado Zuleta mit links - ein ausgezeichneter, entsprechend lang gereifter Manzanilla, perfekte, modernst ausgestattete Reifekeller, umsichtige Kellermeister und im Hintergrund das firmeneigene Labor – dementsprechend präsentiert sich auch das fertige Produkt.

Quo Vadis?

Glänzendes Bernstein, strahlend rotgoldene Reflexe. Flornoten noch stets präsent, mit Weißbrot unterlegt, Haselnusskonzentrat, rauchige Noten, dabei sehr jugendlicher Eindruck, am Gaumen sehr mineralisch, salzige Noten, staubtrocken, viel Kräuterwürze, extrem konzentriert, vielschichtig, mit stützender Säurestruktur, intensiv nussig, Bitterschokolade, etwas Orangenschale, Alkohol (20 %) sehr gut eingebunden, feines Leder, rauchig, Nuss-Bitterschoko im ewigen Abgang, Aromakonzentrat, salzig/mineralische Noten kommen retour
9,5 Punkte

(Klaus Hackl)

Delgado Zuleta S.A.
Ctra. Sanlúcar-Chipiona, km. 1,5
11540 Sanlúcar de Barrameda
Tel. +34 956360543
www.delgadozuleta.com
  • Der Held der Geschichte.
    foto: delgado zuleta s.a.

    Der Held der Geschichte.

  • Ein Bild aus früheren Tagen.
    foto: delgado zuleta s.a.

    Ein Bild aus früheren Tagen.

  • Die eigene Fassbinderei.
    foto: delgado zuleta s.a.

    Die eigene Fassbinderei.

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