Sturm stellt Konkursantrag

23. Oktober 2006, 19:35
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Verhandlungen mit Finanzprokuratur gescheitert - Verein bringt Antrag auf Zwangs­ausgleich ein - Kartnig will bleiben

Graz - Die Verhandlungen zwischen Sturm Graz und der Finanzprokuratur sind gescheitert. Präsident Hannes Kartnig gab am Sonntag in Graz bekannt, dass Sturm am Montag beim Landesgericht in Graz selbst den Konkursantrag stellen wird. Gleichzeitig werden ein Antrag auf Zwangsausgleich sowie ein Ersuchen um Weiterführung des Spielbetriebs eingebracht.

Da Sturm den Antrag selbst einbringt, ist der Konkursantrag des Finanzamtes hinfällig. "Das ist wohl der schwerste Gang meiner bisherigen Karriere", meinte Kartnig mit Tränen in den Augen auf der Pressekonferenz, bei der auch Georg Muhri, Anwalt und Konkurswissenschaftler aus Graz, und Dr. Peter Hadl, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, anwesend waren. An einen vorzeitigen Rücktritt denkt er aber nicht: "Ich verlasse kein sinkendes Schiff. Ich hoffe, dass wir aus der Sackgasse rauskommen."

Masseverwalter übernimmt

Nach dem Hinterlegen der Unterlagen wird der Konkursrichter innerhalb von 24 Stunden einen Masseverwalter bestellen, dieser wird sich dann mit Kartnig, Muhri und Hadl in Verbindung setzen. "Ich hoffe, dass wir den Zwangsausgleich durchbringen", meinte Kartnig, der die Hoffnungen vor allem auf den Kontakt zu zwei potenziellen Investorengruppen stützt. "Ich glaube, das ist zu machen", so Hadl. Nun sollen auch Sponsoren wie Puntigamer trotz des Konkursantrags bei der Stange gehalten werden, auch wenn diese in den meisten Fällen nun vertraglich zum Ausstieg berechtigt wären.

Für den 20-prozentigen Zwangsausgleich wäre ein Finanzbedarf von 2 bis 2,5 Millionen Euro aufzubringen, der Ausgleich soll dann in einem Rahmen von rund vier Monaten gelingen. Bei einem Zwangsausgleich müssen zumindest 50 Prozent der Gläubiger im Boot sein, gleichzeitig muss dies mindestens 75 Prozent des offenen Geldes entsprechen. Laut Hadl ist der Spielbetrieb bei Sturm bis Weihnachten gesichert.

"Das ganze geht auf Gemüt und Gesundheit"

An einen vorzeitigen Rücktritt denkt Kartnig, der auf Grund seiner Gefühlsregungen mehrmals seine Statements unterbrechen musste, nicht: "Ich habe wochenlang schlecht geschlafen, das Ganze geht auf Gemüt und Gesundheit. Ich verlasse kein sinkendes Schiff. Ich hoffe, dass wir aus der Sackgasse rauskommen." Erst wenn der Zwangsausgleich geschafft würde, wäre die seit Dezember 1992 dauernde Ära Kartnig wohl endgültig zu Ende. "Wenn der Weg geebnet ist, bin ich sofort bereit zu gehen. Aber es muss die Zukunft des Vereins gesichert sein."

Am Sonntag Vormittag informierte der Präsident die Spieler. "Ich ziehe den Hut vor ihnen. Sie haben ein überaus korrektes Verhalten an den Tag gelegt, lassen sich sportlich nichts anmerken. Und sie haben Gehaltskürzungen akzeptiert, um ein mögliches Weiterleben des Klubs zu ermöglichen. Das gibt Hoffnung."

Teilschuld akzeptiert

Kartnig berichtete, dass er selbst durch Haftungen rund 500.000 Euro "in den Kamin schreiben" könne. Er habe seit 1992 rund 75 Millionen Schilling investiert. Kartnig: "Ohne Kartnig würde es schon ein Jahr lang kein Sturm mehr geben."

Die Verantwortung für den Zustand des Klubs erkannte der 54-Jährige aber an. "Natürlich bin ich die Nummer eins und ich nehme die Schuld auch auf mich. Es hat aber auch einen Vorstand und ein Management gegeben. Und die Verträge hat Heinz Schilcher gemacht, ich hab sie dann natürlich unterschrieben. Es sind Fehler passiert, dazu stehe ich", so Kartnig. (APA)

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    Schwere Zeiten für Hannes Kartnig und Sturm Graz.

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