Wir sind das Web!

22. Februar 2008, 15:48
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Revolutionen

Die technologischen Revolutionen verändern unsere Sprache und unsere Mentalitäten, und wir halten mit unseren eigenen Gedanken nicht mehr Schritt. "Netzwerk" steht heute für ungezwungene, horizontale Assoziation, für spielerisches Trial and Error, für den Zugang aller zu Wissen, aber auch für die Möglichkeit eines jeden, sich jederzeit Gehör zu verschaffen. Es ist der Kontrastbegriff zur starren, vertikalen Hierarchie. Die Netzmetapher ist entschieden positiv besetzt.

Dass vor 15 Jahren die Netzmetapher noch völlig konträr gebraucht war, daran haben erst kürzlich Luc Boltanski und Eve Chiapello in ihrer Studie "Der neue Geist des Kapitalismus" erinnert. Bis dahin wurde "Netz" als Metapher für "Zwangsstrukturen" benutzt, aus deren Maschen es "für das Individuum kein Entrinnen" gäbe. Der Begriff Netzwerk war zudem "stets mit Heimlichtuerei verbunden". Wer an Netzwerke dachte, dachte an Sizilien: Mafia, Ränkespiel, Eine-Hand-wäscht-die-andere.

Doch heute bilden die Netzwerke "die neue soziale Morphologie unser Gesellschaften", wie das Berkeley-Professor Manuel Castells in seinem monumentalen Triptychon über "Das Informationszeitalter" formuliert. Das Netzwerk ist das Symbol des 21. Jahrhunderts - Letzteres wird nach allgemeiner Überzeugung von "Netzen aus Netzwerken", dynamischen Netzen, Netzwerk-Schwärmen, durch "Wachstum ohne Plan" und flexible Strukturen geprägt sein. Mit einem Wort: durch das kreative Chaos der schönen neuen Netzwelt.

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