Präsident Solyom fordert gemeinsames Gedenken

23. Oktober 2006, 12:04
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"Es gibt nur eine Revolution von 1956" - Applaus für Versöhnungsappell von Bundespräsident Fischer - Heute 50. Jahrestag

Budapest - Am Vorabend des 50. Jahrestages der Ungarn-Revolution 1956 hat Staatspräsident Laszlo Solyom ein echtes gemeinsames nationales Gedenken gefordert. "Es gibt nur eine Revolution von 1956", sagte Solyom am Sonntagabend in seiner im ungarischen Fernsehen live übertragenen Festrede in der Budapester Staatsoper vor zahlreichen ausländischen Staatsgästen unter dem Applaus der Anwesenden. Der Präsident spielte damit auf die tiefe politische Spaltung in Ungarn an, die sich auch in in großen Gegensätzen bezüglich des Verhältnisses zu 1956 äußere. "Man feiert nicht nur getrennt, sondern auch etwas anderes", beklagte das Staatsoberhaupt.

Solyom ging auch ausführlich auf die Parallelen zwischen der Revolution 1956 und die politische Wende 1989 ein, die den Sturz des Kommunismus gebracht hatte. Durch das festliche Begräbnis des 1958 hingerichteten Ministerpräsidenten von 1956, Imre Nagy, im Sommer 1989, sei die Revolution mit einem Schlag "rehabilitiert" worden. Dadurch habe gleichzeitig das kommunistische System unter Janos Kadar "seine Legitimität verloren", betonte der Staatspräsident. Gerade in Hinblick auf 1956 sei es aber auch eines der wichtigsten Ziele 1989 gewesen, dass "in Ungarn nie wieder Blut fließen" dürfe.

"Konsens"

Bundespräsident Heinz Fischer hielt die zweite Festrede des Abends. Er mahnte darin zu "Konsens" im Nachbarland und betonte das Beispiel Österreichs: Dort habe man erkannt, dass der politische Gegner in einer Demokratie niemals ein Feind sein könne. Parteien seien wichtig, "aber das Land ist noch wichtiger". Diese Aussagen wurden vom Publikum in der Staatsoper mit Applaus begrüßt.

Staatspräsident Solyom, Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany und Parlamentspräsidentin Katalin Szili begrüßten Gäste aus 56 internationalen Delegationen in der ungarischen Staatsoper. 32 Staats- und Regierungschefs kamen zu den Feierlichkeiten in Budapest. Auch EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Durao Barroso und NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer waren anwesend.

Das Nationale Philharmonieorchester unter Zoltan Kocsis spielte anlässlich des Festaktes auch die "Egmont-Ouvertüre" von Ludwig van Beethoven, die in den Oktobertagen von 1956 zur "Hymne der Revolution" wurde, weil sie damals so oft im Radio gespielt wurde. Nach Angaben des Moderators des Festaktes war die "Egmont-Ouvertüre" während der Kämpfe die einzige Schallplatte, die den Mitarbeitern des Rundfunks noch zur Verfügung stand.

Die staatlichen Feierlichkeiten zu 1956 werden seit Wochen von Anti-Regierungs-Demonstrationen überschattet, die den Rücktritt von Premier Gyurcsany fordern, weil dieser in einer internen Rede vom Mai "Lügen" über die Situation des Landes zugegeben hatte.

Am vergangenen Freitag hatte sich die Polizei mit den Protestierern auf dem Kossuth-Platz vor dem Budapester Parlament geeinigt, während der dortigen Staatsfeiern am morgigen 23. Oktober einen Bereich für die Demonstration freizuhalten und mit einem Kordon abzusperren. Am Sonntagabend war allerdings laut Nachrichtenagentur MTI unter den Kundgebungsteilnehmern auf dem Platz erneut davon die Rede, in der Nacht gegen den Aufbau der Sperren und Sicherheitstore "Widerstand zu leisten". (APA)

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    Ungarische Revolutionäre im Schusswechsel mit kommunistischen Polizeikräften

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