Tauziehen um Verbund-Spitze - Hochspannung vor Aufsichtsratssitzung

22. Oktober 2006, 18:26
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Medien: Entscheidung auf höchster Polit-Ebene - Mögliche Verlängerung von Haider und Neubestellung eines vierten Vorstandes stehen an

Wien - Mit Spannung erwartet wird die Aufsichtsratssitzung des Verbund am Dienstag, bei der es um Neubesetzungen an der Spitze von Österreichs größtem Stromkonzern geht. Es stehen sowohl eine mögliche Vertragsverlängerung von Verbund-Chef Hans Haider als auch die Neubestellung eines vierten Vorstandsmitglieds an. Eine Weichenstellung könnte bereits heute, Sonntag, vom Nominierungsausschusses des Aufsichtsrates getroffen werden. Die Verbund-Personalia werden Medienberichten zufolge auf höchster politischer Ebene entschieden, die Rede ist von Polit-Gezerre und einer ersten Nagelprobe für die Koalition.

Der Verbund steht zu 51 Prozent im Eigentum der Republik. Der Marktwert liegt bei fast 12 Mrd. Euro. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) spricht sich Zeitungsmeldungen vom Wochenende zufolge für einen Verbleib von Haider aus. SP-Chef Alfred Gusenbauer soll dagegen sein. Der Vertrag des Verbund-Chefs läuft bis Mai 2007. Bei einer Aufsichtsratssitzung Mitte September war eine Entscheidung über eine Vertragsverlängerung vertagt worden. Verbund-Chef Haider ist derzeit auf Urlaub.

Baumgartner-Gabitzer und Kern im Gespräch

Auf der Liste der Bewerber für den vierten Vorstandsposten werden in den Medien (Wochenendausgaben von "Kurier", "Presse", "Österreich", "Wiener Zeitung", "WirtschaftsBlatt") prominente Namen genannt wie etwa die Generalsekretärin des E-Wirtschaftsverbandes und frühere Kabinettschefin von Schüssel, Ulrike Baumgartner-Gabitzer, oder Verbund-Manager Christian Kern, früher im Büro von SP-Staatssekretär Peter Kostelka tätig.

Als weitere Bewerber genannt werden beispielsweise auch Stromregulator Walter Boltz, der ehemalige steirische Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl, Michael Losch, Vertreter des Wirtschaftsministeriums im Verbund-Aufsichtsrat, Burgenland-Holding Vorstand Günter Ofner, EVN-Bulgarien-Chef Stefan Szyszkowitz und Verbund-Manager Günter Rabensteiner. Derzeit setzt sich der Verbund-Vorstand aus drei Mitgliedern zusammen. Neben Hans Haider sind dies Finanzvorstand Michael Pistauer, dessen Vertrag Ende 2008 ausläuft und Johannes Sereinig, ehemals Kabinettschef von Franz Vranitzky.

Hearing vor dem Nominierungsausschuss

Den Zeitungsberichten zufolge findet am Sonntag ein Hearing vor dem Nominierungsausschuss unter dem Vorsitz von Verbund-Aufsichtsrats-Chef Erhard Schaschl mit den aussichtsreichsten Kandidaten statt. Am Montag soll der Präsidialausschuss zusammentreten, heißt es im "WirtschaftsBlatt". Als Nummer eins im Ranking wird von "Presse" und "Österreich" Christian Kern genannt. Als weitere Kandidaten auf der shortlist werden von "Österreich" neben Kern und Baumgartner-Gabitzer auch noch Rabensteiner, Szyszkowitz und ein Prokurist der Vorarlberger Illwerke genannt. Die "Presse" schreibt von einer Handvoll Bewerbern mit Außenseiter-Chancen: Losch, Ofner und Szyszkowitz. Aus dem Verbund gibt es keinen Kommentar.

Gegen den Umstieg von Baumgartner-Gabitzer, die auch ÖVP-Abgeordnete sei, rühre sich nicht nur aus der SPÖ Widerstand, sondern zusehends auch aus der ÖVP, so der "Kurier" (Sonntagausgabe). Eine Bestellung wäre kein Signal einer Entpolitisierung. Laut "Presse" gebe es in der ÖVP eine Fraktion die für eine sachliche Lösung ist, und Kern favorisiert, andere wollten Baumgartner-Gabitzer in den Verbund-Vorstandssessel hieven.

Verlängerung von Haider

Es werde im Hintergrund um eine Paketlösung gerungen, bei der es vor allem um die Verlängerung von Haider gehe, schreibt "Österreich" (Sonntagausgabe). ÖVP-Hardliner wollten über den Aufsichtsrat sowohl ein Verlängerung von Haider als auch Baumgartner-Gabitzer durchdrücken. Dieser Plan habe aber keine Chance. Es blieben zwei Varianten: Haider erhält seinen Vertrag und Kern kommt in den Vorstand oder Haider wird nicht verlängert, Kern und Baumgartner-Gabitzer kommen in den Vorstand, Kern gleich und Baumgartner-Gabitzer später. In diesem Falls würde Verbund-Finanzvorstand Michael Pistauer bis Ende 2008 General.

Auch die "Presse" sieht Pistauer als Nachfolger von Hans Haider bis Ende 2008 als eine Möglichkeit, sollte Haider nicht verlängert werden. Die ÖVP bemühe sich, die bürgerliche Mehrheit im Verbund-Vorstand so lange wie möglich zu halten - Haider und Finanzvorstand Pistauer gälten als ÖVP-nahe, Sereinig als SPÖ-nahe, so die "Wiener Zeitung". Die SPÖ wolle das Kräfteverhältnis ändern. Nicht ausgeschlossen wird in einigen Berichten auch, dass der Aufsichtsrat am Dienstag doch noch nicht entscheidet. (APA)

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