Mit dem Risiko leben lernen

27. November 2006, 14:34
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Risk Management orientiert sich heute an den obersten Unternehmenszielen und wird konzernweit organisiert

Mit dem Zusammenrücken der Märkte wird auch das unternehmensinterne Risikomanagement immer wichtiger. Die erhöhte Dynamik auf den Güter- wie den Finanzmärkten bringt Chancen, aber auch viele Risken mit sich. Neben dem Wechselkursrisiko darf vor allem in so genannten "Transitioning Markets" auch das politische Risiko nicht unterschätzt werden.

Und während früher noch eher der Umgang mit und die Steuerung von Einzelrisiken im Fokus stand – erste Ansätze eines strukturieren "Risk Managements" entstanden etwa in den 1960er-Jahren, als US-amerikanische Konzerne Einkauf und Verwaltung von Versicherungspolizzen optimieren wollten -, geht es im heutigen Risikomanagement um strategische Entscheidungen ganze Konzerne betreffend. Neben den "Risk Managern", die sich auch heute noch ausschließlich mit dem Versicherungseinkauf beschäftigen, hat sich der Einsatz von finanzwirtschaftlichen Instrumenten zur Absicherung finanzieller Risiken wie Zins-, Währungs- und Preisschwankungen im Rahmen von konzernweitem Risikomanagement etabliert.

Quantifizierung, Bewältigung

Ein funktionierendes Risikomanagement erkennt, analysiert und quantifiziert die Unternehmensrisiken. Im nächsten Schritt geht es dann an die Bewältigung bzw. den generellen Umgang mit Risiken: Schließlich kann ein Unternehmen etwa durch den Einsatz derivativer Finanzinstrumente auch unerwünschte Risiken gänzlich vermeiden bzw. stark vermindern.

Idealerweise orientiert sich das Risikomanagement an den obersten Unternehmenszielen. Die Geschäftsführung hat die Aufgabe, strategische Vorgaben zu entwickeln. Bei größeren, börsenotierten Unternehmen gehört ein konzernweites Risikomanagement bereits zum Standard. Meist werden verschiedene Risikobereiche definiert, die dann mit Hilfe umfangreicher Prozessregelungen überwacht werden, wozu auch ein regelmäßiges "Reporting" direkt an den Vorstand gehört.

Rahmenbedingungen

Die Rahmenbedingungen für das Risikomanagement sind vielfältig: Neben österreichischen und internationalen Normen (zB die Bestimmungen der amerikanischen Börsenaufsicht SEC) gilt es auch, unverbindliche Vorgaben wie jene aus dem österreichischen Corporate Governance Kodex oder die Richtlinien von "Basel II" einzuhalten. Für österreichische Unternehmen sind in den letzten Jahren vor allem das Rechnungslegungsänderungsgesetz (RLÄG), das seit 2005 ausdrücklich die Pflicht zur Risikoberichterstattung im Konzernbericht festschreibt, sowie besagter Corporate Governance Kodex die treibenden Kräfte hinter der Einführung von unternehmensinternen Risikomanagementsystemen gewesen.

Regel Nr. 67 des österreichischen Corporate Governance Kodex (eine so genannte "Comply or Explain"-Regel, d.h., ihre Nichtbefolgung muss begründet werden) sieht beispielsweise vor, dass das Unternehmen im Konzernlagebericht "eine angemessene Analyse des Geschäftsverlaufes" vorlegt und darin "wesentliche finanzielle und nicht-finanzielle Risiken und Ungewissheiten, denen das Unternehmen ausgesetzt ist, wie Branchenrisiken, geographische Risiken, Zinsen, Währungen, Derivativgeschäfte und Offbalancesheet–Transaktionen, sowie die wesentlichen eingesetzten Risikomanagement-Instrumente" beschreibt. Diese Angaben müssen infolgedessen auch vom Bilanzprüfer kontrolliert werden.

Neben diesen rechtlichen sind es aber auch reine betriebswirtschaftliche Gründe, die den Aufbau eines Risikomanagements erfordern. Die eingangs erwähnte Dynamik in vielen Märkten macht es für Konzerne überlebenswichtig, rasch auf Veränderungen reagieren zu können.

Beispiel Verbund

Harald Wechselberger vom Corporate Risk Management der Verbundgesellschaft beschreibt in einem Beitrag zur Schriftenreihe "Wirtschaft und Management" der Fachhochschule des bfi Wien, wie im österreichischen Energiekonzern ab dem Jahr 2000 ein zentrales Risikomanagement eingerichtet wurde. Zu dessen Hauptaufgaben zählt vor allem die "Richtlinienkompetenz im Chancen- und Risikomanagement, die Stellung von Mitgliedern der einzelnen Risk Management-Committees (RMC), die Zusammenführung sämtlicher relevanten Risikoinformationen im Konzern und deren Reporting an den Vorstand bzw. Aufsichtsrat". Das Risikomanagement wurde dabei als unabhängige Stabsstelle des Vorstandes, unter Verantwortung des Finanzvorstandes, eingerichtet. Dies hätte allerdings auch Nachteile, nämlich dass "andere risikomanagementnahe Funktionen (Treasury, Controlling etc.) separat agieren und diese die Identifikation von Risiken unter Umständen nicht an die Stabsstelle kommunizieren".

Zu Beginn sei vor allem die Konzentration auf Risiken im Treasurybereich und im Stromhandelsgeschäft im Vordergrund gestanden, entsprechende Richtlinien wurden erarbeitet und später in ein konzernweit einheitliches Konzept übergegangen, berichtet Wechselberger weiter. Im Zuge des weiteren Ausbaues des Risikomanagements sei schließlich eine spezielle Definition von "Risiko" entstanden, nämlich "jede mögliche Abweichung von geplanten Zielen" – was impliziere, dass im Prozess auch "Upside Risks", also Ereignisse, die einen positiven Effekt zeitigen, enthalten sind.

Genau hier liege ein Fehler, den viele Unternehmen machen, so der Experte weiter, indem sie sich nur auf die Risiken beschränkten. Corporate Risk Management diene jedoch als Unterstützung im Umgang mit "Unsicherheiten" generell.

CyberSchool für Risk Manager

Diesem Trend Rechnung tragend, hat die Investkredit kürzlich sogar eine "Corporate Treasury CyberSchool" ins Leben gerufen, bei der man in einem sechstägigen Seminar vom Heim-PC aus das "Corporate Treasury Certificate" erwerben kann.

Trainiert wird dabei der Derivate-Einsatz aus Sicht eines Unternehmens, d.h. die Instrumente des Zins- und Währungsmanagements werden im Rahmen eines modernen Risikomanagements im Unternehmen angewendet. Zur Zielgruppe zählen Finanzchefs, CFOs, Treasury Manager sowie Führungskräfte aus dem Finanz- und Rechnungswesen von Unternehmen, die für den Einsatz von Derivaten in Unternehmen verantwortlich sind. (map)

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    foto: photodisc
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