Filmfestival in Rom: Bester Film an Regisseur Serebrennikov

31. Oktober 2006, 12:59
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"Playing the Victim" bester Film - Italiener Giorgio Colangeli zum besten Schauspieler gekürt

Rom - Das erste Filmfest in Rom hat überraschend den russischen Regisseur Kirill Serebrennikov mit dem Preis für den besten Film ausgezeichnet. Der 1969 geborene Künstler, der als einer der wichtigsten Theaterregisseure seiner Heimat gilt, erhielt den Marc-Aurel-Preis zum Abschluss des Festivals am Samstag für seinen Streifen "Playing the Victim". 14 Uraufführungen hatten um den Preis für den besten Film (20.000 Euro) gerittert.

Als bester männlicher Darsteller wurde der italienische Schauspieler Giorgio Colangeli für seine Hauptrolle in "L'Aria salata" von Alessandro Angelini gekürt. Die armenische Künstlerin Ariane Ascaride bekam den Preis für die beste weibliche Hauptrolle in dem Streifen "Le Voyage en Arménie" von Robert Guédiguian. "This is England" des britischen Regisseurs Shane Meadows erhielt den Spezialpreis der Jury. Die Preise wurden von einer 50-köpfigen Publikumsjury unter Vorsitz des italienischen Regisseurs Ettore Scola verliehen.

Theaterregisseure

Serebrennikov, einer der der bekanntesten Theaterregisseure in Russland, stellte in Rom seinen zweiten Film vor, der sich auf ein Theaterstück der Brüder Preynakow stützt. Der Streifen dreht sich um den 30-jährigen Valya (Yuri Chrsin), der sich sein Brot damit verdient, für die Polizei die Opfer von Verbrechen zu spielen. Der junge Mann wird von Träumen seines verstorbenen Vaters verfolgt, die ihn begreifen lassen, dass dieser von Valyas Mutter mit seinem Onkel ermordet worden ist. Valya wird mit seinen Zweifeln zum Symbol einer ganzen Generation, die ohne Ziel lebt.

Mentalitätswechsel

"Ich hätte niemals geglaubt, dass ich diesen Preis gewinnen würde. Dieser Film ist über Russland und über die Russen. Ich hoffe, dass mein Film zu einem Mentalitätswechsel führen wird", sagte Serebrennikov. Gerührt über den Preis zeigte sich auch die Schauspielerin italienischer Abstammung Ascaride. "'Le Voyage en Armenie' ist ein Film über ein kleines Land, das mich adoptiert hat, Armenien. Ich bin sehr stolz, diesen Preis in Italien zu erhalten, das Land meines Vaters", sagte die Hauptdarstellerin bei der Zeremonie im Musikauditorium.

"Steps and Stars"

Eine Plakette erhielt Picci Pontecorvo, Witwe des vergangene Woche verstorbenen Regisseurs Gillo Pontecorvo. Am Samstagabend wird der römische Bürgermeister Walter Veltroni außerdem dem US-Schauspieler Robert De Niro den Preis "Steps and Stars" verleihen. Die Anerkennung wird einer Persönlichkeit oder einer kulturellen Institution wegen ihrer künstlerischen Verdienste im Filmbereich zuerkannt. De Niro, Gründer des Tribeca Film Festivals, wurde wegen seines Einsatzes ausgezeichnet, "in der Welt die Leidenschaft für die Filmkunst zu verbreiten".

Kritik

Bürgermeister Veltroni zog eine sehr positive Bilanz des Filmfestivals in Rom, das Tausende von Menschen in die Kinos und ins Auditorium der Stadt lockte. "Erstmals hat eine Jury aus Zuschauern die Filme bewertet. Wir werden mit diesem Filmfestival weitermachen. Sowohl die Hauptdarsteller als auch die Zuschauer sind zufrieden. Rom hat mit Stolz an diesem Fest teilgenommen", sagte Veltroni.

Das Filmfest in Rom war kritisiert worden, weil es nur wenige Wochen nach dem Filmfestival in Venedig stattfand. Veltroni wies die Kritik zurück. Wichtig sei, dass das Kino gefördert werde. Er schloss aber nicht aus, dass künftig der Beginn des Filmfests in Rom verschoben werde könnte. (APA)

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    Regisseur Kirill Serebrennikov mit seinem Preis.

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