Gérard Mortier will nach Paris keine große Oper mehr leiten

31. Oktober 2006, 12:37
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Moderne Mozart-Inszenierungen vom bürgerlichen Publikum ausgepfiffen - Positive Entwicklung bei Zuschauerzahlen

Paris - Der international renommierte Kulturmanager Gérard Mortier (63) hat eingeräumt, die Probleme als Intendant der Pariser Oper unterschätzt zu haben. "Ich habe schwere Monate hinter mir. Ich hätte nicht gedacht, dass die Kritiker und das Publikum so vehement auf das neue Repertoire reagieren würden", sagte Mortier in einem dpa-Gespräch in einer Halbzeit-Bilanz seiner vierjährigen Amtszeit.

Aufführungen ausgepfiffen

Der frühere Intendant der Salzburger Festspiele brüskierte mit seinem Repertoire des 20. Jahrhunderts und modernen Mozart-Inszenierungen das bürgerliche Publikum, das zum Teil empört die Oper verließ und die Aufführungen auspfiff. Mortier will nach seinen Erfahrungen kein großes Opernhaus mehr leiten. "Das zehrt zu sehr an den Kräften."

Nach Erfolgen an der Brüsseler Oper hatte Mortier die Salzburger Festspiele erneuert und die Ruhrtriennale als Gründungsintendant geprägt. Vor zwei Jahren übernahm er die Leitung der Pariser Bastille-Oper und die Opéra Garnier. Der belgische Kulturmanager verwies auf eine positive Entwicklung bei den Zuschauerzahlen in Paris. Es gebe acht Prozent mehr Abonnements, die beiden Opernhäuser mit rund 5000 Plätzen seien oft zu mehr als 95 Prozent ausverkauft. Außerdem habe sich das Publikum erneuert.

Verhandlungen mit den Gewerkschaften

Während seiner Ruhrzeit konnte Mortier innovativ sein, was laut Mortier in Paris nicht oder nur schwer möglich ist, denn Paris sei mit seinen rund 1800 Mitarbeitern eine viel zu große Maschinerie. "Allein die Verhandlungen mit den Gewerkschaften beanspruchen extrem viel Zeit." Sollte es nach nationalen Streiks auch interne Streiks an der Oper wegen der geplanten Pensionsreform geben, könnte Mortier amtsmüde werden: "Das wäre für mich auch ein Grund meine Amtszeit früher zu beenden."

Nach Paris wolle er Projekte im Stil der Ruhrtriennale in Angriff nehmen, wo man die Dinge noch bewegen und reformieren könne. "Ich war in letzter Zeit oft in Osteuropa, in Russland und Polen. Ich habe Lust auf kleinere Projekte, wo man Neues erfinden kann." (APA/dpa)

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