Tibetische Exilgemeinde fühlt sich von Khol verhöhnt

27. Oktober 2006, 13:47
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"Verletzender Zynismus" vor Pekinger Kulturveranstaltung in Wien - Entschuldigung gefordert

Wien - Die Tibetergemeinschaft in Österreich hat dem scheidenden Nationalratspräsidenten Andreas Khol (V) "verletzenden Zynismus" gegenüber allen Tibetern vorgeworfen, die für die Religionsfreiheit und die Erhaltung der eigenständigen Kultur ihrer Heimat das Leben verloren oder riskiert haben. Die "unpassende" Aussage des Politikers, dass die von China organisierte "Tibet-Kulturwoche" in Wien die in Österreich lebenden Tibeterinnen und Tibeter mit "Stolz" erfüllen möge, werde als Verhöhnung empfunden, erklärte die Präsidentin der Tibetergemeinschaft, Tseten Zöchbauer, am Samstag in einer Presseaussendung.

"Kitschige Propagandaaufführungen"

Hunderte Tibeter flüchteten jährlich unter gefährlichsten Bedingungen über die Grenze nach Indien oder Nepal, weil ihnen das Recht auf Meinungsfreiheit und auf ihre eigene Kultur und Identität von den chinesischen Behörden verweigert werde. Erst am 30. September sei eine 17-jährige tibetische Nonne an der nepalesischen Grenze erschossen worden. "Angesichts dieser der Welt bekannten Tatsachen ist die Aussage Khols eine reine Verhöhnung des Schicksals des tibetischen Volkes", betonte Tseten Zöchbauer. Es sei sehr bedauerlich, dass Österreich "kitschige Propagandaaufführungen" eines totalitären Regimes fördere. "Chinas Tibet-Festival" stelle einen Beitrag zur Sinisierung der tibetischen Kultur und zu deren Missbrauch im Dienst kommunistischer Propaganda dar.

Demonstration im MuseumsQuartier

"Die tibetischen Künstler dieses Ensembles sind strengstens überwacht von chinesischen Begleitern und dürfen nicht mit Tibetern im Exil in Kontakt kommen. Die Künstler haben keine Meinungsfreiheit und werden mit möglichen Konsequenzen für ihre berufliche Laufbahn eingeschüchtert, um sich immer glücklich strahlend über das 'Mutterland' China zu äußern". Einige dieser Künstler, die 2001 in diesem Ensemble unter Aufsicht der chinesischen Botschaft in Österreich aufgetreten seien, lebten inzwischen als Flüchtlinge in Indien und den USA, heißt es in der Aussendung. Für kommenden Montag (23.10.) haben die Tibetergemeinschaft und die Organisation "Save Tibet" zu einer Demonstration im MuseumsQuartier (16.30 Uhr) unmittelbar vor der Eröffnung der Veranstaltung aufgerufen.

Österreichische Parlamentarier aller Fraktionen hatten in früheren Jahren an die Führung in Peking mehrfach den dringenden Appell gerichtet, die nationalen und religiösen Rechte des tibetischen Volkes zu respektieren und Prinzipien, deren Beachtung China von anderen Staaten immer gefordert hat, selbst einzuhalten. (APA)

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