Überwältigende Mehrheit für Erweiterung des Kanals

14. Februar 2008, 14:18
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Ausbau bedeutet wichtige Weichenstellung für den Welthandel - Verdoppelung des Frachtaufkommens

Hundert Jahre nach seinem Bau wird der Panamakanal erweitert und modernisiert. In einem Referendum stimmten 78 Prozent für den Ausbau, der 5,2 Milliarden US-Dollar kosten soll. Fünf Prozent des Welthandels werden durch dieses Nadelöhr geschleust.

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Panama-Stadt/Caracas - Der Präsident Panamas, Martín Torrijos, der sich persönlich für die dritte Schleusenstraße eingesetzt hat, zeigte sich hoch erfreut über das Ergebnis. "Heute haben wir den Grundstein für ein besseres Land gelegt." Experten zufolge ist der Ausbau dringend nötig, um auch den neueren Riesentankern der Post-Panmax-Klasse die Durchfahrt zu ermöglichen. Andernfalls wäre der Kanal spätestens 2012 obsolet, warnte Kanalverwalter Alberto Alemán.

Bisher passen nur Schiffe mit bis zu 4000 Containern durch den Kanal, die Post-Panamax-Tanker können bis zu 12.000 Container transportieren. Zwischen 2014 und 2015 soll der Ausbau fertig sein. Im Hinblick auf die derzeit fast ausgelasteten Kapazitäten des 1914 fertig gestellten Panamakanals haben bereits Nicaragua und Mexiko erwogen, Verbindungsstrecken zwischen dem Pazifik und dem Atlantik zu bauen und damit Panama Konkurrenz zu machen.

Befürworter des Ausbaus argumentierten mit dem ständig wachsenden Frachtaufkommen insbesondere zwischen Asien und Europa beziehungsweise den USA und den unverzichtbaren Einnahmen, die Panama durch den Kanal erhält.

Der Kanal, durch den rund fünf Prozent des Welthandels geschleust werden, ist schon nahezu ausgelastet, die Wartezeiten sind lang, die Kosten für die Slots hoch. Jährlich durchfahren rund 14.000 Schiffe mit fast 300 Millionen Tonnen Fracht die Wasserstraße. Der Kanalverwaltung brachte dies im abgelaufenen Fiskaljahr Einnahmen von 1,4 Milliarden Dollar, ein großer Teil davon fließt dem panamaischen Fiskus zu. Rund 40 Prozent der Haushaltseinnahmen stammen aus den Kanalgebühren.

Durch die Erweiterung soll das Frachtaufkommen verdoppelt und Panama als Logistik- und Handelsumschlagplatz konsolidiert werden. Dadurch und durch die Bauarbeiten würden Arbeitsplätze geschaffen, argumentiert die Regierung. Interesse an dem Ausbau haben auch die USA, die ihren Schiffsverkehr mit Asien, aber auch mit Europa über den Kanal abwickeln und sich damit den langen Seeweg rund um das südamerikanische Kap Hoorn ersparen. Schon der Bau des Kanals erfolgte auf Betreiben der USA, ebenso wie die Gründung des Staates Panama 1903.

Ein Wermutstropfen für die Modernisiererfront dürfte aber die geringe Wahlbeteiligung sein - nur 40 Prozent der Wahlberechtigten gingen an die Urnen. Weit verbreitet ist die Auffassung, dass der Ausbau nur einer kleinen Elite nutzt. Rund 40 Prozent der Panamaer leben in Armut. (Sandra Weiss/DER STANDARD, Printausgabe, 24.10.2006)

Link
pancanal.com (mit Webcams)
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    Eine dritte Schleusenstraße soll die Abfertigung beschleunigen. Der Bau ist frühestens 2014 fertig.

  • Infografik: Erweiterung des Panama-Kanals

    Infografik: Erweiterung des Panama-Kanals

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