Hamas-Regierung macht Israel wegen entführten Soldaten Vorwürfe

25. Oktober 2006, 18:42
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Aufruf an die Familie des verschleppten Israelis - Deutscher Geheimdienstler vermittelt angeblich zwischen Israel und Hisbollah

Hamburg - Die radikale Palästinenserorganisation Hamas gibt Israel die Schuld daran, dass es noch nicht zu einem Austausch des entführten israelischen Soldaten Gilad Shalit gegen palästinensische Gefangene gekommen ist. "Es ist der israelische Premierminister (Ehud) Olmert, der ein Abkommen verhindert", sagte der Außenminister der Hamas-Regierung, Mahmud al-Zahar, dem deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner jüngsten Ausgabe. "Ich appelliere an die Familie des entführten Soldaten, ihre Regierung dazu zu bringen, alles für die Freilassung ihres Sohnes zu tun", sagte er.

Meldungen, wonach der Iran der Hamas 50 Millionen Dollar (knapp vierzig Millionen Euro) gezahlt haben soll, damit sie einen Austausch verhindert, bezeichnete Zahar als "zionistische Propaganda". Die Hamas sei zu einem Waffenstillstand bereit, sagte er, aber "wir werden Israel niemals anerkennen". Zahar schlug dem Bericht zufolge ähnliche Töne an wie zuvor der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad. Der palästinensische Außenminister nannte Israel demnach einen "Fremdkörper" und fragte: "Warum gründen die Juden ihren Staat nicht in Europa?"

BND-Agent als Vermittler

"Der Spiegel" berichtete weiter, dass UNO-Generalsekretär Kofi Annan einen Agenten des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) als Vermittler zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah einsetzt. Der Nachrichtendienstler aus Berlin sondiere seit September zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah in geheimer Mission die Bedingungen für einen möglichen Austausch der beiden am 12. Juli verschleppten israelischen Soldaten. Ihre Entführung durch Kämpfer der radikal-islamischen Miliz hatte die kriegerischen Auseinandersetzungen im Libanon ausgelöst.

Der Agent, der bereits bei früheren Gefangenenaustauschaktionen zwischen der schiitischen Miliz und Israel vermittelt hat, gelte als exzellenter Kenner der Hisbollah und sei mit deren Chef Hassan Nasrallah persönlich bekannt, berichtete "Der Spiegel". Er sei zudem Teil einer deutschen Delegation gewesen, die 2002 in Damaskus den deutsch-syrischen Islamisten Mohammed Haydar Zammar befragt hatte. Anfang September habe Annan den BND-Mann in Madrid getroffen und ihn anschließend mit dem Auftrag betraut.

Trotz mehrerer Verhandlungsrunden lägen die Vorstellungen der beiden Konfliktgegner allerdings noch weit auseinander. Die Hisbollah fordert die Freilassung mehrerer hundert inhaftierter Araber. Dazu ist die israelische Regierung bisher nicht bereit. Bei den Vereinten Nationen gelte der Ausgang der Vermittlungsmission deshalb als offen.

Anfang September war auch BND-Chef Ernst Uhrlau in der Angelegenheit nach Beirut gereist. Uhrlau hatte schon Anfang 2004 eine wichtige Rolle bei einem Gefangenaustausch gespielt. Damals kamen über 400 Araber aus israelischer Haft gegen einen von der Hisbollah gekidnappten israelischen Geschäftsmann frei. (APA/dpa)

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