CSU-PolitikerInnen kritisieren Kirchen-Haltung zu "Donum vitae"

20. Oktober 2006, 22:12
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Katholische Schwangerenberatung stellt nach wie vor "Beratungsscheine" aus - MitarbeiterInnen von kirchlichen Ämtern verdrängt

München - Führende CSU-PolitikerInnen in Bayern haben die harte Haltung der katholischen Bischöfe gegen die Schwangerenberatungorganisation "Donum Vitae" scharf kritisiert. Die Vereinigung erfülle eine "unentbehrliche Aufgabe", betonen die CSU-PolitikerInnen in einem Brief, über den die "Süddeutsche Zeitung" am Freitag berichtete. Es sei "kleinlich und kurzsichtig", MitarbeiterInnen von "Donum Vitae" aus kirchlichen Gebäuden zu verweisen oder aus kirchlichen Ämtern zu verdrängen, heißt es in dem der Nachrichtenagentur dpa vorliegenden Schreiben.

Streitfall Bescheinigungen

Unterzeichner sind Bayerns Landtagspräsident Alois Glück, Sozialministerin Christa Stewens, ihre Amtsvorgängerin Barbara Stamm, Europaministerin Emilia Müller sowie die ehemaligen Staatsminister Hans Maier und Mathilde Berghofer-Weichner. Die katholischen Bischöfe in Deutschland hatten im Sommer MitarbeiterInnen der katholischen Kirche ein Engagement für "Donum Vitae" verboten. Grund ist, dass die Organisation auch die für eine Abtreibung notwendigen Bescheinigungen ausstellt.

Der Schein könne von manchen "fälschlich als Ermächtigung zum Töten" verstanden werden, heißt es in dem Schreiben. Die Chance, Frauen für ein Leben mit dem Kind zu gewinnen, müsse mit allem Nachdruck wahrgenommen werden. "Hier sind Kirchen, weltanschauliche Gruppen, Bürgerinitiativen als mögliche Träger von Beratung in der Pflicht."

Rückzug aus staatlicher Schwangerenberatung

Die katholische Kirche in Deutschland hatte sich nach wiederholten Aufforderungen aus dem Vatikan 1999 aus der staatlichen Schwangerenberatung zurückgezogen. In Deutschland muss für eine rechtlich erlaubte Abtreibung die Bescheinigung einer Schwangerenberatungsstelle ("Beratungsschein") vorgelegt werden.

Die Kirchenleitung hatte damit argumentiert, dass die katholische Kirche nicht einerseits den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod vertreten, andererseits aber Bescheinigungen ausstellen könne, die "direkt das Töten von ungeborenen Kindern" ermöglichten. Kirchliche Schwangerenberatungsstellen, die nicht im staatlichen Beratungsschein-System involviert sind, existieren auch weiterhin.

Gründung von "Donum Vitae"

Nach dem Rückzug der Kirche aus der Schwangerenberatung gründete eine Gruppe katholischer Laien "Donum Vitae", das weiterhin die Beratungsscheine ausstellt. Die Vertreter der Organisation argumentieren damit, dadurch Abtreibungen verhindern zu können. (APA)

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