Paszek lernt von Kuerten

25. Oktober 2006, 16:12
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Vorarlbergerin trifft Ex-French-Open-Sieger in Brasilien, teilt sich mit ihm Coach Passos und tritt in Linz an

Wien/Linz - Die Familie Paszek hat Zuwachs erhalten. Gustavo Kuerten weiß von seinem Glück. In ein paar Wochen wird der 30-Jährige mit Tamira in Brasilien sogar Tennis spielen. Und ihr erzählen, wie und warum er dreimal die French Open gewonnen hat - vor dem schlimmen Hüftschaden. Kuerten arbeitet an seinem Comeback, Tamira Paszek an ihrem Durchbruch, der mit dem Turniersieg Ende September in Portoro~ begonnen hat. Sie teilen Trainer Larri Passos, der ist quasi der große gemeinsame Nenner.

Das 15-jährige Mädchen aus Vorarlberg ist ziemlich aufgeregt. "Von einem Menschen wie Kuerten kann man nur lernen. Ich will von ihm wissen, wie man die Hochs und die Tiefs im Sport verkraftet."

Tamira Paszek spielt ab Montag die mit 600.00 Dollar dotierten Generali Ladies in Linz. Topgesetzt ist übrigens Maria Scharapowa. Ob die berühmte Russin tatsächlich erscheint, weiß man allerdings erst dann, wenn sie tatsächlich erschienen ist.

Passos betreibt ganz sicher eine Tennisschule in Florianopolis. In den vergangenen Wochen übte er mit Paszek in Dornbirn. "Ich habe in Österreich eine zweite Familie gefunden", sagt er. Und er spricht von der Liebe zum Tennis, "ohne die es nicht geht. Tamira ist wie Gustavo. Beide haben die richtigen Füße, die richtigen Arme, den richtigen Blick, das richtige Hirn und vor allem das richtige Herz."

Passos passt zu den Paszeks. "Das war Harmonie auf den ersten Blick", erzählt er, bestätigt Ariff Mohamed, Tamiras Papa. "Ich achte darauf, dass alles in der Familie bleibt." Mama/Frau Françoise passt auf den achtjährigen Sohn Joel auf, zudem managt sie die aufstrebende Tochter. "So gut es geht. Die Zeit wird zeigen, ob wir es allein schaffen", sagt Ariff, der für die Pressearbeit Karlheinz Wieser, den Top-Profi in der Branche, verpflichtet hat. "Es geht alles nur Schritt für Schritt. Tamira spielt einfach auf dem Platz. Sie will immer ihr Bestes geben und bis zuletzt kämpfen. Sie geht damit hervorragend um, da machen wir uns keinen Druck."

Profitennis ist zunächst einmal ein teurer Spaß. "In der Pipeline fließt noch nichts", sagt der Vater, der mit möglichen Sponsoren verhandelt. "Konkretes gibt es aber nicht. Die Zeit wird es zeigen."

Tamira, die zur drittbesten Sportlerin Österreichs gewählt wurde (hinter Michaela Dorfmeister und Marlies Schild), will in Linz "vielleicht das eine oder andere Match gewinnen." Da sie im "Augenblick" lebt, verschwendet sie kaum Gedanken an die Zukunft. "Wobei es mittlerweile klar ist, dass Tennis mein Beruf wird und schon ist." Es gehe, sagt sie, "um die Verwirklichung meines Traumes. Wie der ausschaut, verrate ich nicht, den Inhalt kennen nicht einmal meine Eltern. Das ist mein Geheimnis." Sollte sie einmal am Ziel angelangt sein, "werde ich es verraten. Aber nur dann."

Larri Passos hält sich für "einen einfachen Kerl. Weil ich nur das tue und vermittle, was ich liebe. Dafür musst du jeden Tag dankbar sein." Der Gustavo Kuerten freut sich bereits auf die Tamira Paszek. "Vielleicht, weil er von ihr einiges lernen kann." (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 21./22.10. 2006)

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