Horngacher beschäftigt

23. Oktober 2006, 11:13
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Kolportiert: Will man einen Wiener Polizisten nerven, muss man derzeit nur einen Namen sagen

Will man einen Wiener Polizisten nerven, muss man derzeit nur "Horngacher" sagen. Fast sofort ziehen sich Mund und Augenwinkel des Gegenübers zusammen, wird enerviert der Kopf geschüttelt. Offiziell will über Roland Horngacher, den suspendierten Landespolizeikommandanten von Wien, niemand reden – auch wenn er bei den Sicherheitstagen in Leogang natürlich in aller Munde ist: Seine beiden Anzeigen gegen die Vizepräsidentin der Wiener Polizei, Michaela Pfeifenberger, die darüber nur kühl lächelt. Der jüngst bekannt gewordene angeblich einschüchternde Anruf beim ORF, um einen Beitrag zur Causa zu verhindern. Die Frage, was an den Vorwürfen der Geschenkannahme und des Amtsmissbrauchs dran ist, deretwegen ermittelt wird.

Inoffiziell gehen die Emotionen in der Behörde hoch. "Kleine" Beamte wundern sich, wie viel Zeit Führungskräfte haben, sich das Dienstleben schwer zu machen. Und in höheren Kreisen schwankt man zwischen Bedauern und Wut. Auch Polizeipräsident Peter Stiedl und der frühere Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) werden nicht verschont. Letzterer, weil er sich stets für Horngacher stark gemacht haben soll. Ersterer, weil er viel zu lange an diesem festgehalten habe, obwohl interne Kritik schon unüberhörbar war – dass er sich persönlich auf Afrikaner gekniet habe und gerne einen Reisebus voll Rumänen kontrolliert habe.

Strassers Nachfolgerin Liese Prokop ist sichtlich erleichtert, zu der Sache nicht mehr inhaltlich Stellung nehmen zu müssen: "Das ist jetzt Sache der Justiz, die soll ordentlich ermitteln." Horngachers Anwalt Richard Soyer kämpft um die volle Rehabilitierung: "Da ist nichts dran." (moe/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.10. 2006)

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