Wo die schönen Dinge herkommen

31. Oktober 2006, 10:50
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Bewährte Materialien neu verwendet: Werkraum Bregenzerwald zeigt in Andelsbuch wieder "handwerk+form"

Andelsbuch – Vor dem Geserstadel hängt ein Betonvorhang. Im Brauereikeller stehen Urnen. In der Schmiede Vogelhäuser, beim Metzger Schaukelstühle. Auf dem Band der alten Säge reiht sich Sessel an Schuh. In der Bäckerei scheint sich jemand auf eine Reise vorzubereiten. Bereit stehen: für den Herrn ein Anzug und ein Parka, für die Frau ein Kleid aus Holz und für beide ein ungewöhnliches Reisemöbel. Helles Pappelholz und schwarzes Schweißertuch sind die Materialien der fünfteiligen Kofferkommode. Mit wenigen Handgriffen werden die Laden zu Koffern. Die sind zwar nicht flugtauglich, aber originell und "ein brauchbarer Beitrag zur Mobilität im Wohnen", wie die Jury des Wettbewerbs "handwerk+form" urteilte und das Möbel von Martin Probst und den Handwerkern Martin Bereuter und Johannes Mohr auszeichnete.

98 Einreichungen hatte die fünfköpfige Jury, Vorsitz Architekt Peter Zumthor, auf die Kriterien Form, Materialgerechtigkeit, Zweckmäßigkeit und Alltagstauglichkeit zu prüfen. Neun wurden ausgezeichnet, elf erhielten Anerkennungen. Wie die Juppe von Lucia Schneider. Die junge Modedesignerin hat die traditionelle Tracht der Bregenzerwälderin, ein Kleid, das Würde, aber auch Strenge ausstrahlt, mit Holzstäben, -plättchen, Stahl und Kristallsteinchen neu interpretiert.

Auffällig bei der diesjährigen Ausstellung: Bewährte Materialien wie Holz, Beton und Leder werden von jungen Entwerfenden neu verwendet. Augenzwinkern fehlt dabei nicht. Etwa, wenn Heike Schlauch und Robert Fabach Vorarlberger Architektenhäuser als Vogelhaus-Serie präsentieren. Die Ausstellung, zugleich Leistungsschau der Handwerkervereinigung "werkraum bregenzerwald" ist Dorfrundgang und Zeitreise. Gesellschaftliches Zentrum ist ein Pavillon. Architekt Andreas Mohr hat für das temporäre Gebäude zu einem mobilen Baustoff gegriffen: 1000 Europaletten, außen eingepackt in Kunststofffolien, wurden verbaut. Nach dem Abbau werden sie wieder in der Industrie verwendet. Andreas Mohr: "So entsteht keine Materialvernichtung." (Jutta Berger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.10. 2006)

Tipp

"handwerk+form"
21., 22. 10. von 10–19 Uhr.
  • Andreas Mohr baut Betten, Kommoden und Häuser aus Europaletten. Temporäres für mobile Menschen – in Andelsbuch als Ausstellungszentrum "trade ground".
    fotos: standard/roswitha natter

    Andreas Mohr baut Betten, Kommoden und Häuser aus Europaletten. Temporäres für mobile Menschen – in Andelsbuch als Ausstellungszentrum "trade ground".

  • Transporthilfen als Baumaterial: 1000 Europaletten nächtlich romantisch. Nach dem Abbau werden sie wieder in der Industrie verwendet.
    fotos: standard/roswitha natter

    Transporthilfen als Baumaterial: 1000 Europaletten nächtlich romantisch. Nach dem Abbau werden sie wieder in der Industrie verwendet.

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