"Kunst gegen das Vergessen": Neue Galerie am Judenplatz

31. Oktober 2006, 12:57
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ArtForum zeigt Ölgemälde und Zeichnungen von Adolf Frankl - Eröffnung am Dienstag

Wien - Am kommenden Dienstag (24.10.) eröffnet eine neue Galerie in der Wiener Innenstadt. Das ArtForum am Judenplatz soll zunächst zur Gänze dem Werk von Adolf Frankl (1903-1983) gewidmet sein, der von den Nationalsozialisten im September 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert wurde und seine schrecklichen Erfahrungen in seinem Zyklus "Visionen aus dem Inferno" verarbeitet hat. Die Galerie wird von seinem Sohn Thomas und seiner Schwiegertochter Ingeborg Frankl geführt.

Seit 1993 organisiert das Ehepaar Ausstellungen mit dem Werk Adolf Frankls, das u.a. bereits in Berlin und München gezeigt wurde. In der neuen Galerie sollen zunächst 45 bis 50 Ölgemälde sowie einige Zeichnungen Frankls gezeigt werden. Die getroffene Auswahl aus dem umfangreichen Zyklus "Visionen aus dem Inferno" zeige nicht eine chronologische Abfolge unterschiedlicher Bilder, "sondern konzentriert sich in kleinen Werkgruppen auf die künstlerischen Methoden Frankls", heißt es in einer Ankündigung, "Sie zeigt ihn nicht in erster Linie als puren Chronisten des Leidens, sondern als Maler in Kenntnis der modernen Kunstströmungen, der die traumatischen Erlebnisse eines bestimmten Lebensabschnittes - Vertreibung, Inhaftierung, Alltagsleid im Konzentrationslager - als Momentbilder der Erinnerung daran in seiner individuellen Bildsprache festhält."

Alle sechs, sieben Monate soll eine neue Hängung weitere Bilder aus seinem Schaffen präsentieren. "Insgesamt gibt es rund 150 Ölgemälde und über 500 Zeichnungen von ihm", schilderte Ingeborg Frankl im Gespräch mit der APA. In welcher Weise man später das Thema der Galerie, "Kunst gegen das Vergessen", weiterführen wird, steht noch nicht fest.

Kurzbiografie Frankl

Adolf Frankl wurde am 12. Februar 1903 als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Preßburg (Bratislava) geboren. Er begann zwar schon in jungen Jahren zu malen, wurde jedoch Innendekorateur. Das Geschäft für Inneneinrichtung, das er seit 1937 betrieb, wurde 1941 enteignet, er selbst kam zunächst in ein Ghetto, im September 1944 wurde er in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. 1945 wurde er befreit und lebte danach in Preßburg. 1949 zog er nach Wien. In den Jahren zwischen 1945 und 1982 entstand neben unzähligen Zeichnungen, Aquarellen und Karikaturen der Zyklus "Visionen aus dem Inferno". "Mit meinen Werken habe ich allen Völkern dieser Welt ein Mahnmal gesetzt", wird der 1983 gestorbene Künstler in der Einladung zitiert, "Es soll niemandem, egal welcher Religion oder politischen Anschauung, dieses oder ähnliches widerfahren."

Bei der Eröffnung der Galerie am Dienstag (18 Uhr) spricht Thomas Frankl die Begrüßung, Hannah Lessing, die Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich, die einleitenden Worte. Dieter Ronte, Direktor des Kunstmuseum Bonn, referiert über das Werk Adolf Frankls. (APA)

ArtForum am Judenplatz
1., Judenplatz 2, Öffnungszeiten: Mo-Fr 11-18 Uhr, Tel.: 01 / 533 16 52
  • Adolf Frankl: "Im Stacheldraht" (um 1951)
    foto: galerie

    Adolf Frankl: "Im Stacheldraht" (um 1951)

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