Direktor der Berliner Opernstiftung: Nationaloper wäre Erlösung

31. Oktober 2006, 12:37
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Ringen um Zukunft der drei Opernhäuser - Michael Schindhelm : "Wir sind noch nicht soweit, dass wir über Schließungsszenarien im Detail sprechen sollten"

München/Berlin - Im Ringen um die Zukunft der drei Berliner Opernhäuser hat sich Michael Schindhelm, Direktor der Berliner Opernstiftung, für eine Nationaloper ausgesprochen. "Sollte es eine Chance geben, die Staatsoper zu einer Bundes- oder Nationaloper umzuwandeln, dann wäre das in der momentanen Situation zweifelsohne eine Erlösung", sagte Schindhelm am Freitag der "Süddeutschen Zeitung". Diese Lösung würde gleichzeitig die Möglichkeit bieten, die beiden anderen Häuser finanziell so auszustatten, dass sie vernünftig weiterleben könnten.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Donnerstag nannte Schindhelm enttäuschend. Die Karlsruher Richter hatten die Klage Berlins auf Anerkennung einer extremen Haushaltsnotlage und auf zusätzliche Entschuldungshilfen des Bundes abgewiesen. Danach muss Deutschlands Hauptstadt mit ihrem Schuldenberg von mehr als 60 Milliarden Euro allein zurecht kommen. Die Richter verwiesen unter anderem auf eine im Vergleich etwa zu dem Stadtstaat Hamburg deutlich höhere Kulturförderung.

Schuldenberg Berlins

"Zwar kosten Opernhäuser viel Geld, aber im Vergleich zu dem enormen Schuldenberg Berlins sind die Relationen wieder ganz anders zu betrachten", sagte Schindhelm zu möglichen Überlegungen, nun ein Opernhaus zu schließen. "Aber wir sind noch nicht soweit, dass wir über Schließungsszenarien im Detail sprechen sollten." Schindhelm sagte, man könne nicht Hamburg mit Berlin vergleichen. "Berlin ist heute eine Stadt der Kultur und der Wissenschaft. Ich bin davon ausgegangen, dass sich Deutschland eine Hauptstadt leisten möchte, die in diesen Fragen auch weiterhin ganz vorne mitmischt."

Er denke zwar noch nicht über seine Position nach. "Aber ich habe gesagt, dass ich für Schließungen und Fusionen nicht zur Verfügung stehe." Schindhelm, seit eineinhalb Direktor der Opernstiftung, will seine Vorstellungen, wie die Opernstrukturen neu justiert werden könnten, dem neuen Berliner Kultursenator präsentieren. (APA/dpa)

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