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7. November 2006, 13:03
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BZÖ-Werbeagentur hat keine Homepage, aber lukrative Aufträge - beispielsweise von der Strabag - Versteckte Parteienfinanzierung sei das nicht, wird beteuert

Das BZÖ hat eine eigene Werbeagentur, die zwar keine Homepage hat, dafür aber lukrative Aufträge akquiriert. Etwa von der Baufirma Strabag. Mit versteckter Parteifinanzierung hat das aber nichts zu tun, wird beteuert.

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Wien – Arno Eccher kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Der Vorarlberger ist Geschäftsführer der Orange Werbeagentur GmbH, die zu 100 Prozent im Eigentum des BZÖ steht. Orange macht nicht nur Werbung für die Orangen, sondern ist auch als PR-Berater in anderen Branchen tätig. Wie Österreich berichtete, erstellte sie etwa kurz nach Gründung im Mai 2005 für die Bauholding Strabag ein „PR-Konzept zur Vorbereitung“ der „Einführung der Lkw-Maut“ in Tschechien, der Slowakei und in Ungarn. Auftragsvolumen: 240.000 Euro brutto. Auftragszeitraum laut Strabag-Sprecher Christian Ebner: „drei bis sechs Monate“.

Warum die Strabag einen so spezifischen Auslandsauftrag ausgerechnet einer frisch gegründeten Parteiagentur anvertraut? „Bei uns werden Aufträge immer nach Kompetenzen vergeben“, erklärt er dem STANDARD. Er war aber damals nicht zuständig: Ebner war bis März 2006 Kabinettschef von BZÖ-Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach. Wer zuständig war, kann er nicht sagen. Die Strabag hat sich aber auch im „Akor-Konsortium“ für das Bauprojekt Nordautobahn (A5) beworben. Einen Zusammenhang zwischen dem PR-Auftrag und der A5-Ausschreibung und den Verdacht der Parteienfinanzierung dementieren sowohl Strabag als auch das Büro Gorbachs.

Zurückhaltende Informationspolitik

Eccher zum STANDARD: „Wir sind eine privatrechtliche Firma. Wir haben auch andere Kunden. Aber wir geben die Namen nicht preis.“ Seine zurückhaltende Informationspolitik (die Agentur hat weder eine Homepage noch steht sie im Telefonbuch) erklärt er damit: „Erfolgreich sind die Ruhigen. Wir akquirieren von uns aus.“ BZÖ-Obmann Peter Westenthaler fühlt sich erst gar nicht zuständig: „Die Agentur hat mit der Partei nichts zu tun.“

Erfolgreich war das „Orange“-Lobbying nicht: In Tschechien kam ein anderer Anbieter zum Zug, in der Slowakei und Ungarn gibt es noch keine Lkw-Maut-Ausschreibung. Aber der Auftrag ist ohnehin „beendet“ (Ebner). (DER STANDARD, Printausgabe 21./22.10.2006)

  • Ein Obmann, der mit der parteieigenen Werbeagentur und ihren Geschäften „nichts zu tun hat“: Peter Westenthaler.
    foto: heribert corn

    Ein Obmann, der mit der parteieigenen Werbeagentur und ihren Geschäften „nichts zu tun hat“: Peter Westenthaler.

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