Am Estag-Verkauf verdienen Banken kräftig

17. November 2006, 15:26
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Die steirische Landesregierung nimmt einen neuen Anlauf für den Verkauf ihres Energieversorgers

Die steirische Landesregierung nimmt einen neuen Anlauf für den Verkauf ihres Energieversorgers Estag. Die Beratung dafür lässt sie sich einiges kosten, stützt sie sich dabei doch auf Gutachten, die von Ex-Landeshauptfrau Waltraud Klasnic ausgewählte Banken erstellen.

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Graz/Wien – Das Land Steiermark rüstet sich für einen neuen Anlauf, weitere Teile des zu 75 Prozent im Landeseigentum stehenden Energieversorger Energie Steiermark AG (Estag) zu verkaufen. Bemühungen in diese Richtung gibt es bereits seit 2003. Der Skandal um den Konzern, der drei Vorstandsmitgliedern den Job kostete, blockierte derartige Privatisierungsvorhaben aber über Jahre.

Ab kommenden Montag soll der Veräußerungsprozess wieder in Gang kommen. Die Landesregierung wird in ihrer Sitzung ein Konsortium aus den Investmentbanken Raiffeisen-Invest AG (Riag) und ABN Amro beauftragen, Zukunftsszenarien für den Landeskonzern zu entwerfen. Sie können von einer Stand-alone-Lösung über den Verkauf von 24,9 Prozent Landesanteilen bis zur Verwertung des Aktienpaketes des französischen Miteigentümers Electricité de France – Gaz de France (EdF/GdF) reichen – vorausgesetzt, die Franzosen wollen ihre 25-prozentige Sperrminorität tatsächlich abstoßen.

Erregte Gemüter

Dass den Verkaufsprozess nun wieder ABN Amro/Riag vorbereiten und begleiten soll, erhitzt die Gemüter, basiert dieser Auftrag doch auf der 2003 durchgeführten Ausschreibung zur Vorbereitung des damals geplanten Börsengangs der Estag. Dazu kam es wegen des "Estag-Skandals" aber nicht.

Die Landesregierung beschloss daraufhin, das Mandat an Raiffeisen zu stornieren – was Ex-Landeshauptfrau Waltraud Klasnic als politisch zuständige Beteiligungsreferentin allerdings nicht gemacht habe, wie Landeshauptmann Franz Voves kürzlich kritisierte. Raiffeisen pochte daher auf Einhaltung des bereits damals als sehr freundschaftlich bezeichneten Vertragswerks. Nun ist Raiffeisen wieder mit im Boot – allerdings, wie gut informierte Quellen wissen wollen, mit erweitertem Auftragsvolumen. Zu den 600.000 Euro Fixum für den Verkauf von 25 Prozent und zwei Prozent des 250 Millionen Euro übersteigenden Verkaufserlöses kommen nun 2,5 Prozent des Verkaufserlöses hinzu. Üblich für solche Mandate seien ein bis 1,5 Prozent, heißt es in der Branche.

Da der französische Miteigentümer EDF mittlerweile signalisiert hat, seinen 25-Prozent-Anteil nun doch verkaufen zu wollen, wurde nun der Auftrag erweitert, wie man in Regierungskreisen bestätigt. Raiffeisen/ABN Amro sollen demnach den Ausstieg der Franzosen vorbereiten und parallel dazu Szenarien für die Zukunft erarbeiten. Das alles als Entscheidungsgrundlage für den Landtag, wie es heißt.

Verbund steht "Gewehr bei Fuß"

Dieser Mehraufwand wird mit 400.000 Euro für die Erstellung eines Strategiegutachtens zu Buche schlagen, wodurch sich das Honorar auf 700.000 Euro erhöht. Der Erfolgsquotient wurde parallel dazu von zwei auf 2,5 Prozent angehoben, was Juristen zur Frage veranlasst, ob dafür nicht doch eine neue Ausschreibung nötig gewesen wäre.

Nicht allzu schwierig gestalten dürfte sich jedenfalls die Suche nach einem Käufer für die Estag-Anteile: Die Verbundgesellschaft steht Gewehr bei Fuß, sie will lieber heute als morgen beide Teile, also 49 Prozent der Estag, kaufen. Noch lieber sogar 51 Prozent. (Luise Ungerboeck, Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.10.2006)

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    Die Zeichen für den Verkauf des steirischen Energieversorgers stehen noch nicht ganz auf Grün. Kommenden Montag soll der Veräußerungsprozess wieder in Gang kommen. Kritik gibt es vor allem an der Beteiligung der Raiffeisen Invest AG.

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