Brasilianer ohne Prozess und Urteil dreizehn Jahre im Gefängnis

23. Oktober 2006, 11:13
3 Postings

Bundesgericht in Brasilia verurteilte Staat zu Entschädigungszahlung von 800.000 Euro - Berufung nicht möglich

Rio de Janeiro - Ein vermutlich schuldloser Mann hat in Brasilien wegen eines Mordverdachts ohne Prozess oder Verurteilung 13 Jahre hinter Gittern verbracht. Das Obere Bundesgericht in Brasilia verurteilte deshalb den Staat zur Zahlung einer Entschädigung von zwei Millionen Real (800.000 Euro). Wie das Nachrichtenportal G1 am Freitag berichtete, begründeten die Richter ihr Urteil damit, dass es sich um den schlimmsten bekannten Fall "von Anschlag auf die Menschenwürde- und -rechte" in dem südamerikanischen Land handle. Eine Berufung sei nicht möglich.

Augenlicht und Familie verloren

Der heute 58 Jahre alte Marcos Mariano da Silva verbrachte die 13 Jahre in einem Gefängnis in Recife, der Hauptstadt des nordöstlichen Bundeslandes Pernambuco, obwohl es bis heute weder eine polizeiliche Untersuchung noch ein Gerichtsverfahren gab. Er wurde erst freigelassen, als die Gefängnisleitung den Behörden nach eigenen Untersuchungen zusicherte, nichts rechtfertige seine Festnahme. Da Silva erkrankte den Angaben zufolge im Gefängnis unter anderem an Tuberkulose und erblindete. Er habe außerdem völlig den Kontakt zu seiner Ehefrau und den elf Kindern verloren. (APA/dpa)

Share if you care.