Die große Zeitschleife

23. Oktober 2006, 13:08
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Da sitzen sie nun bei der Pressekonferenz und haben Glück, durch die Ernennung von Tommy Parits zum General Manager wird kurzfristig von der unvergleichlichen Leistung der Austria Wien gegen Zulte-Waregem abgelenkt. Andererseits haben Manager Markus Kraetschmer und Sportdirektor Peter Stöger auch wieder Pech, denn auf die Fragen der Journalisten bezüglich neuer Kompetenzverteilung haben sie keine guten Antworten. Wäre auch zuviel verlangt, denn offensichtlich wissen sie über das Stronachsche Tun und Lassen nicht mehr als du und ich. Warum Kompetenz-Fragen bei Austria Magna niemals vor dem Gang an die Öffentlichkeit geklärt werden, bleibt eines der großen Bundesliga-Rätsel. Welche Aufgaben Parits erfüllen soll, und warum jemand, der zuletzt vor der Erfindung der Champions League im Profi-Fußball tätig war, mit diesen beauftragt wird? Keiner weiß es - aber "ein positives Signal" ist es allemal und Parits "ist ein wirklich netter Mensch."

Gerade nette Menschen wie Lars Söndergaard, Herbert Prohaska, Joachim Löw oder Walter Schachner haben es bei der Austria aber nicht unbedingt leicht, sie teilen sich das Schicksal des unehrenhaften Abschieds. Man muss kein direkter Nachfahre von Nostradamus sein, um Tommy Parits das selbe Schicksal vorherzusagen. Die interessantere Frage bleibt da wohl, ob es ihn schon vor Saison-Ende ereilen wird. Und dann kann das Spiel wieder von vorne beginnen. Ikone her, Ikone raus und wieder zurück an den Start.

Aber im Grunde bewegt sich alles im regulären Rahmen einer dahinsiechenden Liga: Ein Tabellenführer, der einen Fußballverein mit einer 90-minütigen Werbepause verwechselt; ein Grazer Traditionsklub, der morgen vielleicht nicht mehr existiert; ein Rekordmeister, der öfter durch schlecht erzogene Fans als durch Siege auf sich aufmerksam macht... Die Hoffnung, dass jetzt ohnehin alles nur noch besser werden könnte, hat sich zwei Jahre vor der EM endgültig verbraucht, der österreichische Fußball scheint in seiner Unfähigkeit aus Fehlern zu lernen in einer Zeitschleife der Erfolglosigkeit hängen geblieben zu sein. (Philip Bauer)

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