Druck auf Regierung steigt

26. Oktober 2006, 21:28
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Kritik wegen Schulden: Ex-Premier Berluconi fordert sofortigen Rücktritt von Prodi

Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens durch die Rating-Agenturen Fitch und Standard & Poor’s hat den Druck auf die Regierung von Romano Prodi erhöht. Ex-Premier Silvio Berlusconi forderte den Regierungschef zum "sofortigen Rücktritt" auf und kündigte eine Serie von Kundgebungen gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung an, die "von der internationalen Finanzwelt abgestraft" worden sei.

Nach einer neuen Umfrage der Tageszeitung La Repubblica ist das Vertrauen der Italiener in die Regierung Prodi in zwei Monaten von 65 auf 43 Prozent gesunken. Der Premier wurde am Donnerstag am Rande des Katholikentags in Verona ausgepfiffen. Prodi beschuldigte die Medien der "Stimmungsmache" gegen sein Kabinett.

Unterdessen hat am Freitag in der Kammer die Diskussion über den umstrittenen Etatentwurf begonnen, den Prodi trotz einer Mahnung des Staatspräsidenten mit der Vertrauensfrage verbinden will. Im Parlament halten sich hartnäckig Gerüchte über einen Wechsel einiger Senatoren zum Rechtsbündnis. Zeitungen bezifferten den „Kaufpreis“ für einen Senator auf eine Million Euro.

Innerhalb des Linksbündnisses herrscht Nervosität. Die Kommunisten verdächtigen die Christdemokraten, auf eine "neue Mehrheit der Mitte" hinzuarbeiten. Die Tageszeitung La Stampa nannte am Freitag bereits zwei Namen von potentiellen Nachfolgern, die Prodi an der Spitze einer "institutionellen Regierung" ablösen könnten: Innenminister Giuliano Amato und Zentralbankchef Mario Draghi. Der Premier blieb allerdings unbeeindruckt: "Wir werden fünf Jahre lang regieren." (Gerhard Mumelter aus Rom/DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.10.2006)

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