Ein Kino-Leben neben und nach der Viennale

27. Oktober 2006, 14:40
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Specials in anderen Wiener Kinos: Iranische Filmtage im Top Kino, One Day Animation Festival im Filmcasino, Cinetheater im Schikaneder

Wien - Auch wenn es so mancher Kino-Fan in Wien manchmal nicht so recht wahrhaben möchte: Im Oktober gibt es neben der Viennale auch noch andere Film-Events. Doch gerade jene Kinos, die in ihrer Ausrichtung ebenfalls auf künstlerisch wertvolles Programm setzen, haben es auf Grund der großen Anziehungskraft des größten österreichischen Filmfestivals nicht leicht. In Wien locken das Top Kino, das Filmcasino, das Votivkino und das Schikaneder eifrige Cineasten mit attraktiven Alternativangeboten.

20-30 Prozent weniger Besucher während des Festivals

Rund 20 Prozent weniger Besucher als sonst verzeichnet das Top Kino nach Angaben von Johannes Wegenstein im Zeitraum der Viennale, im Schikaneder seien es sogar rund 30 Prozent. Gerade als Programmkino habe man es in den knapp zwei Wochen von 13. bis 25. Oktober schwer, da man ja dasselbe Publikum anspreche, so der Top Kino- und Schikaneder-Chef. Trotzdem gebe es auch Eiserne, die sich dem "Diktat des Molochs" nicht beugen, so Programmchef Raimund Liebert augenzwinkernd. Die derzeitige Kieslowski-Retrospektive im Topkino läuft noch bis Samstag.

Iranische Filmtage

Ab 24. Oktober starten dann im Top Kino die Iranischen Filmtage. Anlässlich des großen moslemischen Festes am Ende des Fastenmonats Ramadan veranstaltet die Kulturabteilung der iranischen Botschaft gemeinsam mit dem Top Kino die Veranstaltung, die bis 31. Oktober die Möglichkeit bieten soll, "die Beliebtheit und Attraktivität des iranischen Films anhand von Beispielen aus den vergangenen vier Jahren auszukosten oder zu erforschen". Unter den Filmen finden sich "Kerze im Luftzug" von Pouran Derakshandeh, "Die große Trommel unter dem linken Fuß" von Kazem Masoumi oder "Gast der Mama" von Dariush Mehrjui.

Filmschulen aus Europa

Das Schikaneder setzt am Sonntag (22.10.) wieder auf renommierte europäische Filmschulen, dieses Mal werden die ECAM aus Madrid und die dffb Berlin (deren Absolventen mit ihren Langfilmen gerade bei der Viennale für Furore sorgen) vorgestellt. Am Sonntag darauf präsentiert sich die neue Wiener Filmschule IfiF (International Academy for Independent Filmmaking). In der Reihe cinetheater, in der freie Theatergruppen und Performance-Formationen mit Kino-Projektionstechnik arbeiten, gastiert am 25. und 26. Oktober das theater.wozek mit der szenischen Revue "ÖL" im Schikaneder. Dabei wurde mit Texten und Szenen namhafter österreichischer Autoren gearbeitet.

Animationsfilm

Im Filmcasino startet (und endet) am Nationalfeiertag, einen Tag nach Ende der Viennale, das nächste Festival. Das "one day animation festival", das der Animationsfilmer Thomas Renoldner in Kooperation mit dem Wiener Mozartjahrt 2006 auf die Beine gestellt hat. Ab 18 Uhr werden dabei "Mozart-Animations" gezeigt, ab 20 Uhr neue Arbeiten aus Österreich - von computeranimiert bis zum klassischen Trickfilm. Der letzte Block um 22 Uhr wird schließlich europäisch: Renoldner zeigt in diesem Rahmen "YEAH! 01 - Yearly European Animation Highlights", die heuer für das Crossing Europe-Festival in Linz erstellt worden sind.

Filmschau Jelinek im Votivkino

Das Votivkino schließlich, eines der Aushängeschilder der Wiener Programmkinoszene, widmet Elfriede Jelinek zum heutigen 60. Geburtstag eine Filmschau zum Symposium. Veranstaltet vom Jelinek-Forschungszentrum in Kooperation mit der Alten Schmiede, der Uni Wien und dem Cafe Stein, geht es am 24. Oktober um "mediale Überschreitungen". Unter dem Titel "Elfriede Jelinek: Ich will kein Theater" gibt es ab 16 Uhr Vorträge und Filme, darunter "Was die Nacht spricht" von Hans Scheugl und "Malina" von Werner Schroeter, bei denen die Literaturnobelpreisträgerin für die Drehbücher verantwortlich zeichnete. Dass die Viennale Jelinek ein Filmprogramm widmete und eine Festival-Schiene zum österreichischen Dokumentarfilm "News From Home" heißt (und damit gleich wie Valie Exports Jelinek-Film), kann dabei wohl nur Zufall sein. Oder? (APA)

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