Kraetschmer: "Über Stöger und mir"

20. Oktober 2006, 15:20
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"Analysator" Parits neuer starker Mann der Austria, erste konkrete Gespräche nach Salzburg-Match

Wien - Frank Stronachs Wege sind manchmal unergründlich - selbst für die Verantwortlichen des österreichischen Fußball-Meisters FK Austria. Der Boss von Betriebsführer Magna gab am Freitagvormittag nur wenige Stunden nach dem 1:4-Heimdebakel im UEFA-Cup gegen SV Zulte Waregem die Installierung von Thomas Parits als General Manager bekannt und überraschte damit selbst Klub-Manager Markus Kraetschmer und Sportdirektor Peter Stöger.

Kraetschmer wurde nach eigenen Angaben von Stronach über die Installierung des früheren Spielers und Trainers am Freitag um 9 Uhr am Telefon informiert. "Er hat mir gesagt, dass er diesen Schritt auch gesetzt hätte, wenn wir 5:0 gewonnen hätten." Seit wann Stronach in Kontakt mit Parits stand, war dem Manager nicht bekannt.

"Alle bleiben im Amt"

Personelle Änderungen gab es trotz des Comebacks von Parits nach 15-jähriger Abwesenheit vom Profi-Fußball (vorerst) nicht. "Alle bleiben im Amt. Von unserer Warte gibt es für das Sonntag-Spiel keine Trainer-Thematik", betonte Kraetschmer.

Das Schlagerspiel auswärts gegen Salzburg wird Parits von der Tribüne aus verfolgen, voraussichtlich am kommenden Montag kommt es dann zum Gespräch zwischen der Klub-Spitze und dem neuen General Manager.

Kompetenzen noch nicht klar

Welche Kompetenzen der neue starke Mann am Verteilerkreis wirklich besitzt, darüber ist sich Kraetschmer noch nicht ganz im Klaren. "Ich sehe es so, dass er eine beratende Funktion einnehmen wird", sagte der Manager und ergänzte: "Er hat von Stronach die klare Aufgabe, sich mit Alt-Austrianern zu unterhalten, wie man sie am besten in die Zukunft der Austria einbinden könnte." Ein Comeback von Toni Polster könne er sich allerdings auf Grund des anhängigen Gerichtsverfahrens "persönlich nicht vorstellen."

Mit der Arbeit von Ex-General-Manager Polster wollte Kraetschmer den Job von Parits nicht vergleichen. "Sein Fokus ist ein anderer, er soll sich weniger ins operative Tagesgeschäft einmischen."

"Analysator"

Dafür gibt es offenbar Parallelen zur Situation im Herbst 2004, als Otto Baric bei der Austria als "Visitator" in Erscheinung trat - nun hat sich Parits gleichsam als "Analysator" u.a. mit der aktuellen Situation des Profi-Betriebs zu befassen. "Er steht quasi über Stöger und Kraetschmer, vielleicht als neue Zwischenebene zu Stronach hin. Aber das ist meine Interpretation", mutmaßte Kraetschmer, der das neue Amt nicht als Beschneidung seiner Kompetenzen sieht.

Dass aber die Erkenntnisse von Parits für ihn persönliche Konsequenzen haben könnten, wollte der Manager nicht bestreiten. "Parits wird eine Analyse machen und wahrscheinlich ein Konzept erstellen, das über die Austria-Zeit nach Ende des Betriebsführervertrags mit Magna Ende Juni 2007 hinausgeht. Ob in diesem Projekt die Namen Kraetschmer und Stöger vorkommen, ist seine Sache."

"Das ist ein Signal"

Der 35-Jährige kann der Installierung von Parits durchaus Positives abgewinnen. "Das ist ein Signal, dass Stronach mit der Austria über Juli 2007 hinaus arbeiten möchte." Auch Sportdirektor Stöger steht dem 60-jährigen Burgenländer nach eigenen Angaben alles andere als ablehnend gegenüber. "Ich habe die Hoffnung, dass von diesem frischem Rückenwind die Austria profitieren kann." Schließlich dürfe man nicht vergessen, dass die Planungen für die kommende Saison in der Luft hängen, zehn Verträge auslaufen.

Er kenne Parits als Spieler und Trainer und schätze ihn als "ehrlichen und netten Menschen. Ich habe null Problem damit, dass einer dazukommt", beteuerte Stöger und wies darauf hin, dass vor noch nicht allzu langer Zeit mit Polster, Günter Kronsteiner, Lars Söndergaard, Kraetschmer, Schinkels, Manfred Kern und ihm selbst sieben Personen im operativen Tagesgeschäft gearbeitet hätten, während es derzeit nur drei (Kraetschmer, Schinkels, Stöger) seien.

"Aber die Aufgaben sind dieselben geblieben. Es gibt genug für alle zu tun", sagte Stöger am Donnerstag in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Wiener Horr-Stadion, zu der zwar er und Kraetschmer, aber weder Parits noch ein Magna-Vertreter erschienen waren.(APA)

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