Strafausmaß für Iris-Marias Vater könnte sich noch erhöhen

23. Oktober 2006, 11:12
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22-Jähriger legte Berufung ein - Das veranlasste die Staatsanwältin dazu, ebenfalls Rechtsmittel anzumelden

Wien - Der Vater der in Folge von Gewaltanwendungen gestorbenen Iris-Maria legt gegen seine Verurteilung zu acht Jahren Haft Berufung ein. "Das Strafausmaß ist für den vom Gericht angenommenen Tatbestand zu hoch", gab Oswin Lukesch, der Verteidiger des 22-jährigen Mannes, am Freitag im Gespräch mit der APA bekannt.

Darauf hin meldete auch Staatsanwältin Katja Wallenschewski Rechtsmittel an, nachdem sie zunächst signalisiert hatte, mit dem Urteil, das am vergangenen Dienstag ein Wiener Schwurgericht im Fall des misshandelten Babys gefällt hatte, einverstanden zu sein, sollte es auch der 22-Jährige akzeptieren. Damit könnte sich für diesen im Rechtsmittelverfahren die Strafe noch erhöhen.

Quälen mit Todesfolge

Über den ursprünglich wegen Mordes angeklagten Mann war wegen Quälens einer wehrlosen Person mit Todesfolge (Paragraf 92 Absatz 3 Strafgesetzbuch) bei einem Strafrahmen von bis zu zehn Jahren eine achtjährige Freiheitsstrafe verurteilt worden. Zudem wurde er auf Grund einer in einem psychiatrischen Gutachten festgestellten Persönlichkeitsstörung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Der 22-Jährige hatte laut nicht rechtskräftigem Urteil seine Ende Jänner 2005 im niederösterreichischen Zwettl zur Welt gekommene Tochter praktisch von Geburt an misshandelt, wenn diese weinte und von ihm nicht beruhigt werden konnte. Nachdem sich Iris-Marias Eltern getrennt hatten, war die Mutter mit dem Kind nach Wien gezogen. Sie kam im Gartenhaus einer Freundin unter.

Ihr Ex-Freund besuchte sie regelmäßig an den Wochenenden, "um nicht den Kontakt zum Kind zu verlieren", wie er dem Gericht erklärte. Wenn er dann das Kind beaufsichtigte, soll laut Anklage weiter seine Tendenz zu Aggression und Gewalt durchgebrochen sein.

Öfters Gewalt angewandt

So gab der 22-Jährige zu, Iris-Maria geohrfeigt zu haben, wenn diese schrie. Er legte ihr mitunter einen Zierpolster aufs Gesicht, "damit der Schall unterdrückt wird". Beim Rausnehmen aus dem Kinderwagen und beim Wickeln habe er wahrscheinlich zu heftig zugepackt.

Mehrmals musste der Säugling wegen erlittener Verletzungen ärztlich behandelt werden. Zuletzt wurde Iris-Maria am 25. April 2005 mit einem Notarzthubschrauber ins AKH geflogen, nachdem der Vater mit der Faust auf das im Kinderwagen liegende Baby eingeschlagen und dieses danach kräftig geschüttelt haben soll. Iris-Maria starb am 15. Jänner "in Folge dieser Gewalthandlungen", so die Staatsanwältin. (APA)

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