Die Felsenstreicher

20. Oktober 2006, 18:00
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Weißer Stein, Rogelstein, Großer Stein: Markante Naturdenkmäler an der unteren Melk

Vom steilen Hang des Hiesbergs an der unteren Melk leuchtet ein auffallend heller Felsen weit ins Land und unterscheidet sich deutlich vom dunklen Silikatgestein der Umgebung. Es ist dies der ?Weiße Stein?, der in regelmäßigen Abständen von der Jugend der umliegenden Orte mit weißer Farbe angestrichen wird, und zwar nur an jenen Flächen, die vom Tal aus zu sehen sind.

Um das Jahr 700 bildete der Melkfluss die Grenze des slawischen Reiches Samos, das später von den Awaren erobert und bis zur Enns erweitert wurde. Die Slawen kennzeichneten den Rand ihres Einflussgebietes unter anderem durch das Tünchen des markanten Felsens.

Grenzfluss

Für diese Erklärung des offensichtlich sehr alten Brauches spricht einiges. Der Name Melk leitet sich vom slawischen medelice ab, was Grenzfluss bedeutet. In älteren Aufzeichnungen findet sich die Bezeichnung ?Böhmische Grenze? für den Westhang des Hiesbergs, auf dem die Burg von Zelking eine Talenge kontrollierte. Warum sich das Felsenstreichen über rund 1300 Jahre erhalten hat, ist unbekannt, denn die Bedeutung und der Sinn waren lange vergessen und wurden erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt. Der Weiße Stein jedenfalls steht an einem sehr exponierten Punkt, und solche Stellen bieten naturgemäß eine hervorragende Aussicht.

Der Weiße Stein ist aber keineswegs die einzige markante Felsfiguration: Da gibt es noch den zum Naturdenkmal erklärten Rogelstein, einen ehemaligen Wackelstein, und nicht weit entfernt liegt der Große Stein. Ein erheblicher Teil der Wanderrouten ist neu markiert. Die alten mausgrau gewordenen hölzernen Wegweiser jedoch sind leicht zu übersehen, denn die Markierungen hat man nicht überall geschickt angebracht.

Die Route: In Matzleinsdorf, bei der Brücke über die Melk, findet sich der erste Wegweiser zum Weißen Stein. Am Waldrand hält man sich ein Stück talaufwärts und zweigt bald links auf einen schmalen Steig ab, der sich in Kehren zur Höhe windet ? hie und da sieht man alte gelbe und blaue Markierungsreste ? und zum Weißen Stein quert. Gehzeit: eine Dreiviertelstunde.

Weiter geht?s in Serpentinen den Hang hinauf, dann auf einem alten Forstweg nach rechts bis zur neuen blauen Markierung. Dieser folgt man nach rechts und wandert auf einer Forststraße weiter bis zur Abzweigung der gelben Markierung. Der Wegweiser ?Rogelstein? ist nur aus der Gegenrichtung gut zu erkennen. Die offensichtlich wenig begangene Route führt schließlich zum Rogelstein. Gehzeit ab Weißem Stein: eine Stunde. Nun wandert man ein kurzes Stück zurück, dann weiter nach rechts auf die gelbe Markierung. Man erreicht eine Forststraße, die man nach einer Gegensteigung beim Großen Stein wieder verlässt. Gelb und später rot markiert ist der weitere Weg zur Ruine und nach Zelking. Ab Rogelstein eine Stunde. Direkt am Ufer der Melk kehrt man schließlich in einer knappen Stunde nach Matzleinsdorf zurück. (Bernd Orfer/Der Standard/Printausgabe/21./22.10.2006)

Gesamtgehzeit: 3¾ Stunden, Höhenunterschied: rund 300 m. Gasthäuser in Zelking. freytag & berndt WK 071 (Wachau, Dunkelsteinerwald, Yspertal, Jauerling)
  • Eine wenig begangene Route führt zum Rogelstein.
    foto: gemeinde zelking-matzleinsdorf

    Eine wenig begangene Route führt zum Rogelstein.

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