Projekt zum Schutz der Edelkastanie im Burgenland

27. Oktober 2006, 20:27
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Viele Bestände aufgrund von Kastanienrindenkrebs und mangelnder Pflege gefährdet

Eisenstadt - Dem Schutz und der Pflege der Edelkastanie widmet sich im Burgenland ein Projekt, das vom Land gemeinsam mit dem Naturschutzbund und den Gemeinden durchgeführt wird. Eine Reihe von Maßnahmen, beginnend bei der Kartierung der Bestände und der Erfassung der vom Kastanienrindenkrebs befallenen Bäume soll dazu beitragen, die Edelkastanie als Natur- und Kulturgut auch kommenden Generationen zu erhalten, so Agrarlandesrat Niki Berlakovich (V) am Freitag bei der Präsentation des Projekts in Eisenstadt.

Durch den Befall mit Kastanienrindenkrebs und auf Grund von mangelnder Pflege seien viele Edelkastanien-Bestände gefährdet, so Berlakovich. Bis 2008 soll ein Maßnahmenpaket mit dem Schwerpunkt in den Bezirken Mattersburg und Oberpullendorf umgesetzt werden. Neben der Registrierung der Bäume ab 70 Zentimeter Durchmesser will man auch ausgewählte Gruppen holzbewohnender Käferarten erfassen.

Managementplan

Im Rahmen eines Managementplanes sollen beispielsweise imposante Einzelbäume entlang von Wander-, Rad- oder Reitwegen freigestellt und von Kastanienrindenkrebs befallene Äste entfernt werden. Die Gesamtkosten des Projekts von rund 60.000 Euro werden über Ziel-1-Mittel finanziert, so Berlakovich. In einzelnen Gemeinden sollen ab kommendem Frühjahr auch insgesamt rund 500 bis 600 Bäume gepflanzt werden.

Schlauchpilz

Die Edelkastanie wurde einst von den Römern in Mitteleuropa eingeführt. Zu einer Bedrohung für viele Bestände hat sich der Kastanienrindenkrebs entwickelt. Dabei handle es sich um einen Schlauchpilz aus Asien, der über Nordamerika nach Europa eingeschleppt wurde, so Thomas Zechmeister, Geschäftsführer des Naturschutzbund Burgenland.

In den sechziger Jahren wurde Kastanienrindenkrebs erstmals in Österreich nachgewiesen. Vor allem Rindenverletzungen seien ausschlaggebend, dass der durch Sporen verbreitete Pilz zu wuchern beginnt, in der Folge bilden sich Nekrosen. Deshalb sollte etwa Werkzeug, mit dem man Äste schneidet, immer gereinigt werden, um eine Verbreitung zu verhindern, rät Zechmeister.

Bekämpfung

Im Kampf gegen den Kastanienrindenkrebs greifen Experten zu einem gemeinsam mit dem Forschungszentrum Seibersdorf entwickelten Trick: 13 verschiedene Stämme des Pilzes mit mehr oder weniger aggressiven Formen seien derzeit in Österreich bekannt. Dass der Pilz eine weniger aggressive Form entwickelt, werde durch einen Virus bewirkt. Wird damit nun ein Pilz infiziert, so könne er "mit etwas Glück" in die sanftere Verlaufsform übergeführt werden, der Baum kann zuheilen. Bei befallenen Ästen und jungen Austrieben habe man mit dieser Methode sehr gute Chancen, erläuterte Zechmeister.

Erste Erkenntnisse über den Kastanienbestand gebe es bereits aus dem Bezirk Oberpullendorf: So wurden in Kulturen oder frei stehend an die 600 Bäume mit einem Durchmesser über 70 Zentimeter gezählt. Rund 50 bis 60 Prozent davon seien vom Kastanienrindenkrebs befallen. (APA)

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