Ein echtes Wiener Schnitzel geht unter

2. November 2006, 16:48
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Die FPÖ empfiehlt, doch echte Wiener Küche zu genießen und von Kebab die Finger zu lassen - Kolumne von Manuela Honsig-Erlenburg

Die FPÖ regte jüngst per Presseaussendung an, doch gefälligst die Wiener Küche und die "traditionsbewusst kochende Gastronomie" stärker zu fördern, um den beklagenswerten "Wildwuchs von Kebab-Buden" Einhalt zu gebieten. Und auch Wiens Gäste sollten doch bitte bei ihrem Aufenthalt in der österreichischen Hauptstadt Einheimisches probieren, und sich keinesfalls mit Kebab oder Humus abspeisen lassen.

Und für die unverbesserlichen Kebabmaniacs unter Wiens TouristInnen hält die FPÖ eine Empfehlung parat: die sollten doch bei so viel Ignoranz und Unangepasstheit an die Wiener Sitten gleich in Istanbul urlauben. Wo Kebabs und deren Fans nun mal hingehören. Denn Wien darf nicht Istanbul werden. Punkt.

Die FPÖ sei allerdings gewarnt: Solcherart uneinsichtige TouristInnen könnten dort dem Geheimnis des echten Wienerschnitzels auf die Spur kommen und Wiens goldenen Schnitzelstolz mit folgender Geschichte beschmutzen: Während nämlich viele Speisen der klassischen Wiener Küche "wenigstens" aus den ehemaligen österreichischen Kronländern beziehungsweise Ungarn stammen, hat das traditionelle Wiener Schnitzel– nein nicht in Italien, das könnte man noch aushalten - in Istanbul seine skandalverdächtigen Wurzeln.

Im reichen Konstantinopel pflegte man in wohlhabenden Kreisen die Tradition, Speisen mit Blattgold zu verzieren. Jene, die sich diesem übertriebenen Luxus nicht hingeben konnten, behalfen sich mit anderen Mitteln und verwendeten statt Gold kurzerhand goldgelbe Brösel als Ersatz. Der Bröselfetzen war geboren. Und zwar mitten im heutigen Istanbul. Erst im 19. Jahrhundert fand das Schnitzerl in Panierhülle der Mär nach seinen Weg über Italien nach Wien. Feldmarschall Radetzky – so wird erzählt – war derjenige, der den Wildwuchs an Schnitzelbuden in Wien einst zu verschulden hatte.

Und übrigens: Den grässlichen Wildwuchs der Wiener Kaffeehäuser müssen wir einem Armenier ankreiden. Johannes Diodato auch Deodat genannt gilt nämlich als erster Kaffeesieder Wiens. Außerdem: Der Italiener Taroni war angeblich der erste, der vor seinem Wiener Kaffeehaus einen Gastgarten errichtete, den berühmten original Wiener Schanigarten. Empörend, nicht?

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